Bretonisches Menu „Beg er Vachif“

͜ENTRÉE:

Bruschetta „Alga e olio“

Zutaten:
–  1 Baguette (frisch vom Bäcker)
– 2 Zehen Knoblauch
– 1 kl. Strauch Himanthalia elongata („Meeresbohne“; bei Niedrigwasser frisch vom Felsen geschnitten, z.B. in Beg er Vachif auf Ile de Houat)
Seespinne (Fa. Majidae, Dreieckskrabben, frz. Araignee, frisch vom Boot der Krebsfischer, z.B. im Hafen von Sauzon, Belle Ile; Fleisch aus Scheren und Beinen)
6 EL Olivenöl

Zubereitung:
Baguette in Scheiben schneiden und im Ofen leicht anbacken.
Knoblauch und Meeresbohne kleinhacken und mit dem Fleisch der Seespinne im Olivenöl bei mittlerer Hitze anbraten. Mit Salz abschmecken und mit Pfeffer würzen. Auf den Baguette-Scheiben verteilen und mit etwas Olivenöl zusätzlich beträufeln. Warm servieren und dazu ein kleines Glas Algen“wein“ (aus bio- zertifizierten Saccharina latissima von der Algenfarm in der Kieler Förde) kredenzen.

 

PL͜AT:

Himanthalia-Alge in Seezungenfilet-Röllchen mit Algen-Paprika-Salat
Algue d`Himanthalia en pelicules de sole accompagné
de salade d`algue et poivron“

Zutaten:
– 1200 g Seezungenfilet (frisch vom Fischladen, z.B. in Le Palais am Hafenbecken, Belle Ile)
– 1 kl. Strauch Meeresbohne (s. o.)
– Butter und etwas Speck zum Braten
– 1 Baguette

Zubereitung:
Fisch säubern. Algen in 3-4 cm lange Stücke schneiden und blanchieren. Pfanne mit Butter und mit wenig Speckstücken einreiben. Die Algenstücke in die Seezungenfilets wickeln, die Röllchen mit Zahnstochern sichern und von allen Seiten braten. Dazu Baguette und einem leichten Weißwein servieren.

 

DESSERT͜
In Beg er Vachif gab es Obstsalat. Stattdessen wird

Limonenparfait

(nach Wolf-Dietrich „Benny“ Wiendieck, Küchenchef im Restaurant September, Kiel, 25.1.2001)
empfohlen:

Zutaten:
– 250 ml Wasser
– 5 Eier
4 Limonen
– 100 g Rohrzucker
– 4 ml weißen Rum
– 500 ml Sahne

Zubereitung:
Wasser mit Rohrzucker aufkochen. Limonenschale abschälen und diese in etwas Läuterzucker legen. Eigelb mit dem heißen Zuckersirup verrühren. Die Masse auf einem kochenden Wasserbad aufschlagen und zur Rose abziehen. Die eingelegten Limonenschalen sehr fein mit dem Messer hacken. Die Limonen auspressen. Den Saft, die gehackte Schale und den Rum der Masse hinzufügen und ganz auskühlen lassen. Sahne schlagen und unter die abgekühlte Masse ziehen, in eine beliebige Form füllen und mehrere Stunden im Tiefkühler frosten. Rechtzeitig vor dem Servieren wieder aus dem Tiefkühler nehmen (mindestens eine halbe Stunde vorher).

Levent & Peter

Beg er Vachif, Ile de Houat am 29.5.2008

(unvergesslicher Moment: unser Boot liegt bei Ebbe auf dem Kiel im Watt und wir genießen den Weißwein und das Meeresrauschen mit unseren Mitseglern Melanie, Jürgen, Johnny und Rüdiger)

Meerbohnen auf Felsen
Seeanemonen, Grün- und Kalkrotalgen, umgeben von Meerbohnen (Himanthalia elongata) am Felsen
Smutje beim Krebskochen
Die Crew mit Skipper und Koch Peter (stehend)

Der Ausflug in den Küstenwald

Es war noch ein Tag Zeit, um die lange Rückreise aus dem „hintersten“ Küstenwinkel von Côte d’Ivoire nach Hause anzutreten. Anstatt am Strand abzuhängen – was ja durchaus seinen Reiz gehabt hätte – entschieden wir uns für einen Ausflug in den primären Küstenwald an der Mündung des Dodo.

Es gibt – der unersättlichen Ausbeutung Afrikas geschuldet – nur noch vereinzelte Flecken dieses Regenwaldes. Der Taï-Nationalpark, etwas nördlich von unserem Expeditionsgebiet gelegen, stellt den mit 330.000 Hektar größten zusammenhängenden Rest dieses ehemals kontinentumgreifenden Lebensraums dar. Dort gibt es die einzigartigen Zwergflusspferde, 750 Waldelefanten und eine noch intakte Schimpansenpopulation mit mehreren „Clans“. Jeder dieser Gruppen nimmt mehrere hundert Hektar als Entfaltungsraum für sich in Anspruch.

Der Artenzusammensetzung im Küstenwald, den wir besuchen, unterscheidet sich etwas von derjenigen im weiter im Inland liegenden Taï-Nationalpark; die Arten sind an das Salz in der Luft, der über Aerosole transportiert wird, und an stärkeren Wind adaptiert.

Da wir von dort gleich unsere erste Rückreiseetappe nach Grand Bereby antreten wollten, schien uns angesichts unseres schweren Gepäcks die An- und Weiterfahrt mit einer großen Fanti-Pirogge als ideale Lösung. Und so organisierte uns Gus von dem Lehmhütten-Ressort „Le Kara Krou“ eine Fanti-Pirogge samt Crew.

Die Beladung der Pirogge mit unserem Gepäck gestaltete sich feucht, doch mit Hilfe der erfahrenen Crew kam es in der beachtlichen Brandung zu keinem Unfall. Die Wert- und Elektroniksachen verstauten wir vorsorglich in einem wasserdichten Packsack.

Beladung der Pirogge mit unserem Gepäck
Unser Küstentransporter vor Anker

Unser Zeitplan war eng und wir hatten nur fünf Stunden Zeit für unsere „Dschungelbuch“-Erfahrung. Also ging es nach unserer Ankunft an der Mündung des Dodo und leichter Anpassungen der Kleidung gleich los.

Ein Ecoguard und die Schildkrötenbrigade von Ta Baulé ging, mit Machete bewaffnet, vorneweg. Ein Pfad war zunächst nur schwer, später garnicht zu erkennen und nach bereits 20 Minuten versanken wir bis zu den Knien im Modder und Schwarzwasser, das in unseren Schuhen schwabbelte, gluckste und quietschte. Die Konzentration auf den Weg, um eine Bauchlandung im Sumpf zu vermeiden, führte dazu, dass ich nicht viel von der Umgebung mitbekam. Aber weit blicken konnten wir aufgrund der dichten Vegetation sowieso nicht. Dazu kam die extreme Luftfeuchtigkeit, die das Atmen zu einem aufwändig und bewusst durchgeführten Akt machte, was unter normalen Umständen ganz von selbst funktioniert. Meine nicht vorhandenen Sportstunden der letzten Jahre machten sich wieder bemerkbar. Inez hingegen fühlte sich sichtlich und hörbar wohl und hatte noch genügend Energie und Aufmerksamkeit, um einige Spinnen und Pflanzen zu würdigen.

Inez Linke auf Entdeckungstour durch den Küstenwald
Inez balanciert auf einem Baumstamm über den Sumpf.

Wir kamen an einige Baumriesen mit ihren Brettwurzeln vorbei – ein erhabener Anblick, wobei wir aber den Eindruck hatten, dass unsere Anführer uns nicht in den eigentlichen „forêt sacré“, also in den ursprünglicheren Wald, lotsten.

Levent Piker an den Brettwurzeln eines Baumriesen
Inez Linke, Peter Krost, Olaf Grell und Wolf Wichmann (vlnr) bei einer Pause im Küstenwald

Unser Ziel war es, den Wald in Nord-Süd-Richtung etwa 3 km zu durchschreiten, um eine Lichtung mit einer kleinen Krouman-Siedlung zu erreichen. Nach anderthalb Stunden machten wir dort eine Pause, um den Rückweg anzutreten.

Pause im Unterstand einer Manioksiedlung von Mani Bereby
Chininhaltige Pflanzenwurzel in Wasser, die die Maniokbauern gegen Malaria nehmen. Bekämpft zwar die Symptome, taugt aber nicht zur Genesung.

Nach dem zügigen Marsch zurück – wir hatten inzwischen mächtigen Hunger – ruhten wir uns an der Dodo-Mündung aus und wuschen uns und unsere Klamotten im Fluss.

Mündungsbereich des Dodo

Währenddessen zauberte der Bootskoch ein unglaublich leckeres Menü mit der besten und größten Dorade, die ich jemals aß.

Die Fahrt mit der Pirogge, auf der den Fischern das Fangglück hold war, war ein krönende Abschluss unseres Dschungelbesuchs.

Diesen Gelbflossenthun holten die Fischer auf der Rückfahrt mit der Angel an Bord
Ankunft in Grand Bereby

Zarte Keime von Ökotourismus 

Schon mal über einen Urlaub in Côte d’Ivoire nachgedacht?

Zugegeben – naheliegend ist das nicht, aber die Flugzeit mit sechseinhalb Stunden ab Brüssel sind erträglich. Dafür ist die Reise im Land wegen des tropischen Klimas und der gnadenlos schlechten Straßenverhältnisse ungewohnt strapaziös.

Zwischen San Pedro und Grand Bereby bei Hannie
Zwischen Grand Bereby und Pitiké bzw. Kablaké

Die obligatorischen Reisevorbereitungen umfassen Impfungen – Gelbfieber! – Malariaprophylaxe bzw. – medikamente und ein Visum. Nicht zu vergessen: französisch verstehen und sprechen sind Voraussetzung.

Wer sich 10% in der Reisezeit unberechenbares Abenteuer zutraut, für die anderen 90% aber mit Traumstränden, überwiegend freundlichen und hilfsbereiten Menschen, bunter Kultur der verschiedenen Ethnien und der fantastischen Natur belohnt werden möchte, für den ist Côte d’Ivoire ein potenzielles Reiseziel.

Die touristische Infrastruktur will selbst erarbeitet sein. Improvisation, Geduld und manchmal starke Nerven sollte man unterwegs immer parat haben. Bespaßung im euro-touristischen Sinne mit Yoga, Surfen oder SCUBA-Tauchen ist so gut wie nicht vorhanden. Einige wenige Angebote an Unterkünften sind vorhanden. Sie reichen von einfachen Bambushütten mit Palmendach bis recht gediegenen Zimmer oder Appartements, selbst nach europäischem Ausstattungsstandard. Letzteren findet man z.B. im Hotel-Restaurant-Bar-Billard-Plage „Rock Palm Beach“ in San Pedro, betrieben von dem Deutschen Frank Bremer und seiner Frau Emelie, oder in dem Hotel „Kartoum“ in Grand Bereby. Auch der Service ist in beiden Hotels unafrikanisch perfekt.

Das Hotel „Rock Palm Beach“ in San Pedro
Blick von der Terrasse des Hotels „Kartoum“ auf die Bucht von Grand Bereby

Abgesehen von unseren beiden Camps hatten wir die authentischste Atmosphäre im Hotel „La Flotte“ in Grand Bereby. Der Service und der Komfort fielen zwar gegenüber den beiden vorgenannten Hotels merklich ab, aber sauber waren die Zimmer alle. Das Abendessen im „La Flotte“ war ausgezeichnet, unmittelbar am Strand.

Blick aus dem Restaurant des Hotels „La Flotte“ auf die Fischereiflotte der Fanti
Das Hotel „La Flotte“ vom Strand aus

 

Etwas Besonderes stellt das „Le Kara Krou“ des Italieners Gus dar. Es handelt sich um ein kleines, aber feines Ensemble von Lehmhütten mit dem Anspruch einer autarken Versorgung mit regenerativer Energie und angeschlossenem Restaurant sowie einer Bar an dem traumaften Strand. Die Hütten sind aus natürlichen Materialien so gebaut, dass sie innen relativ kühl bleiben. Auf Klimaanlagen kann man somit verzichten.

Der Strand an der Anlage „Le Kara Krou“ mit Meeresschildkrötengelege
Pavillons vor den Lehmhütten von Le Kara Krou
Kokospalmengarten
Eingangsbereich einer Lehmhütte mit individuell gestalteter Teekanne
Eine Lehmhütte von „Le Kara Krou“
Schlafraum in der Hütte
Bad in einer Lehmhütte

Unbekannte Unterwasserwelt

An Land machen die Naturschutzbemühungen in unserem Reisegebiet zwischen Pitiké und Grand Bereby Fortschritte. Besonders nach dem Zusammenschluss von neun Krouman-Familien mit ausgedehnten Landbesitzungen und der von Ihnen beantragte Réserve Naturelle Volontaire ist auf Basis eines Gesetzes von 2002 ein Prozess in Gang gekommen, der die Voraussetzungen für ein freiwilliges Schutzgebiet erfüllen soll; 2019 soll das Schutzgebiet offiziell ausgewiesen werden. Unterstützt wird dieser Prozess durch den ivorischen Verein CEM, dem die große US-amerikanische Stiftung „Rainforest Trust“ und Oceanwell finanziell unter die Arme greift.
Während an Land die Gründe für ein Schutzgebiet zumindest punktuell – in Form von gefährdeten Flusskrokodilen beispielsweise – benannt werden kann, ist die Unterwasserwelt vor der ivorischen Küste komplett ein Buch mit sieben Siegeln.

Um dies zu ändern und einen Anfang bei der Erkundung des marinen Ökosystems zu machen, sind wir nach Ta Baulé mit seinen vorgelagerten Unterwasserfelsen gereist. Ta Baulé liegt 20 km östlich von Pitiké. Die Mündung des größten Flusses in der Region, des Dodo, liegt mit angrenzendem „forêt sacré“, einem für die Krou heiligen Wald, etwa 5 km westlich von Ta Baulé.

Ta Baulé – Strand mit Felsen, die sich im Wasser fortsetzen

Auch hier haben wir für unsere erste Reise nur einfache Ausrüstung gewählt: Flosse, Schnorchel, Brille, Unterwasserkamera. Es gibt in dieser Region keine Scuba-Tauchbasen. Und eine Expedition mit Flaschen, Atemreglern, etc kostet enorme Ressourcen an Geld und Manpower.

Wie gut, dass wir mit Wolf einen anspruchsvollen und erfahrenen Unterwasserfotografen im Team haben, der selbst unter den schwierigen Bedingungen das Beste aus der Kamera heraus holt.

Wolf bei ruhiger See in einem Rockpool

Obwohl auch Wolf sich aus praktikablen Gründen auf das wesentliche Equipment beschränkt hat, besteht sein Reisegepäck aus zwei großen Gepäckstücken mehr als bei uns anderen. Ich begnüge mich mit Schnorchelausrüstung und einer kleinen Sony RX 100 samt Unterwassergehäuse – eine ideale Ergänzung zu Wolfs großer Kamera wie sich zeigt, denn mit der kleinen kommen wir teilweise auch in die Felsspalten.

Von seinem Hotel in Grand Bereby aus veranstaltet ein Franzose Angeltouren und Tagesausflüge an die Mündung des Dodo, weil es hier besonders große Exemplare von beispielsweise Merlin und Gelbflossenthun zu fangen gibt.

Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, allerdings erfahren wir, dass von den teuren Touren nichts bei den Einheimischen hängen bleibt und der Transport von den angelnden Touristen mit Jeeps am Strand erfolgt. Das Risiko, dass dabei Schildkrötengelege in Mitleidenschaft gezogen werden, ist existent und vermutlich nicht klein. Hier sind alternative Transportmittel, z.B. eine Pirogge, vorzuziehen.

Eine sozial und ökologisch ausgewogenere Form des Tourismus bietet ein im Ruhestand befindlicher Chemiker aus Italien an. Das ist ein eigener kleiner Artikel wert…doch zunächst zurück zur marinen Unterwasserwelt:

Wir fanden an den Felsen in der Gezeitenzone eine reichhaltige Lebensgemeinschaft von fest am Untergrund lebenden Algen und Tieren. Sie bilden in ihrer diversen Ausprägung gemeinsam mit dem Plankton und den kleinräumigen Strukturen eine ideale Kinderstube und Lebensraum für eine reichhaltige Fisch- und Krebsfauna – gleichermaßen die Voraussetzung für das Leben der Menschen an dieser Küste – ein guter Grund für ein Meeresschutzgebiet.

Einige Eindrücke von den Felsen:

Ensemble: Grundeln, Krustenalgen, Krustenanemonen

 

Verschiedene Grün-, Rot- und Braunalgen
Verschiedene krustenbildende Kalkrotalgen

Suchbild: Wieviel Fische sind auf diesem Bild zu sehen? Tipp: Es sind mehr als sechs

Der Kampf um diese Ressourcen und die Ausbeutung in Form illegaler Fischerei mit sehr großen ausländischen, insbesondere chinesischen, Trawlern ist bereits voll entbrannt. Bei einer Konfrontation zwischen Fischern in einer Pirogge und einem großen chinesischen Fischfänger sind 2008 fünf Fanti ums Leben gekommen, berichtet Guivé, der Chef der Küstenwache in Grand Bereby. Der chinesische Trawler befand sich mutmaßlich innerhalb der für sie gesperrten 12 Seemeilen Zone. Immer wieder werden chinesische Schiffe innerhalb dieser Zone gesichtet.

Die ivorische Küstenwache hat keine Chance, Übertretungen der Fischereirechte zu dokumentieren und zu verfolgen, denn es fehlen die einfachsten Mittel um die Position und den Namen des Trawlers zu identifizieren, ganz zu schweigen von angemessenen und funktionstüchtigen Patrouillenbooten.

Nicht mehr einsatzbereit: das Boot der Küstenwache von Grand Bereby

Bei den Fanti in Grand Bereby

Fanti ist eine Ethnie, die ausschließlich vom Fischen lebt. In Grand Bereby, einer Ortschaft mit 10.000 Einwohnern, leben die Fanti in einer Enklave am Strand mit ihrer Flotte. Das macht einen merkwürdig ghettohaften Eindruck, aber wie Guivé, der Chef der Küsten wache in Grand Bereby, uns versicherte, verstehen sich die Fanti mit den anderen Ethnien im Ort ganz gut. Die meisten von ihnen sind Flüchtlinge aus Ghana und Liberia und haben hier ihre neue Heimat gefunden.

Wir waren fasziniert von der Welt der Fanti-Fischer und hatten ein paar Tage später die Gelegenheit, eine Fanti-Pirogge als Transportmittel zu benutzen. Im Folgenden einige Bilder von unserem Spaziergang durch die Fanti-Enklave:

Die Fahrt mit der kleinen Pirogge

[Ok, es war noch nicht erster Advent…danke für den Hinweis, liebe Susanna]

Für eine kleine Expedition zu den Mangrovenwäldern an der Lagune haben wir uns von einem Fischer seine kleine Pirogge geliehen. Es ist ein Einbaum, hat keinen Kiel und ist deshalb ganz schön kippelig.

Wir haben uns mit dem Fischer früh an der Mündung am Strand verabredet. Der morgendliche Spaziergang dahin hat die Lebensgeister geweckt.

Der Fischer kam, wir parkten seine Pirogge am Strand, er nahm das Paddel und verschwand ohne Worte ehe wir reagieren konnten. Was sollten wir mit einem Boot ohne Paddel? In Côte d’Ivoire und anderen afrikanischen Ländern sollte man sich diese Art von Fragen nicht stellen. Eine halbe Stunde kam der Fischerlehrling mit einem anderen Paddel, wir teilten uns in drei kleine Bootscrews auf und fuhren nacheinander in die Lagunenarme.

Die große Vielfalt an Strukturen und Arten der Wald- und Mangrovenbäume beherbergt einen immensen Reichtum an Pflanzen und Tieren.

Die Mangrovenbäume können mit dem salzhaltigen Wasser umgehen, indem sie es entsalzen. Mit den langen Wurzeln holen sie aus der Luft den Sauerstoff, den sie in den schlickigen Sedimenten nicht finden.

Die Mangroven stellen die Kinderstube und Lebensraum für viele aquatische Organismen dar, auch für die Meeresbewohner.

Leuchtaugenfische und Mangrovenkeimling in der Lagune
Fischfalle in der Lagune
Seltenes Utensil in der Lagune bei Pitiké

Eine besondere Adventsbegegnung

Wir kommen kurzfristig aus dem mentalen Tritt, wenn wir darüber nachdenken, dass es bei uns zuhause 4 °C kalt ist und die Weihnachtsmärkte bereits geöffnet sind. Es ist erster Advent.

An diesem ersten Advent machten wir uns in minimaler Adventsstimmung auf unseren nächtlichen Schildkröten-Kontrollgang bei 25 °C und klarem Abendhimmel. Wir hofften nicht, an diesem Tag noch eine Schildkröte zu Gesicht zu bekommen, denn der aufgehende Mond schien bereits sehr hell und die Meeresschildkröten meiden Anlandungen bei Mondlicht. Sie mögen es lieber dunkel bei der Eiablage.

Außerdem waren wir am ersten Adventsmorgen bereits Geburtshelfer bei Olivenschildkröten-Babies und noch mehr Glück an einem Tag wagten wir nicht in Anspruch zu nehmen.

Erik, Inez und ich waren in einer Gruppe. Erik, der Chef der Strandbrigade in Pitiké, marschierte in einem Irrsinnstempo über den weichen Strand und ich vermutete, dass meine Schwierigkeiten mitzuhalten eventuell mit dem geringen Einsatz zu tun haben, mit denen ich in den letzten Jahren Leibesübungen betrieben habe. Ganz vielleicht steckte hinter diesem aufopferungswürdigen Sprint von Erik auch Imponiergehabe gegenüber der einzigen Frau im Team, was nicht mein Problem war. Mein Problem war eher mein zwickender Muskelkater in den Waden, der von dem ebenfalls strammen Tempo von letzter Nacht stammte. In der letzten Nacht hatten wir Glück und wir konnten eine Grüne Meeresschildkröte bei der Eiablage beobachten.

Wir staksten über den Strand in Richtung Dorf, in dessen Nähe Erik uns ein Eigelege zeigte, das bald seine kleinen Bewohner ins Leben entlässt.

Ein unangenehmes Piepen holte uns aus der heimelig-ruhigen Szene. Aus dem Walky Talky von Wolf krakelte eine aufgeregte Stimme: „Un luth, un tortue luth!!!“ – Eine Lederschildkröte! Die größte und beeindruckendste Schildkröte, die auf unserem Planeten existiert. Bis zu 2 m lang und bis zu 900 kg schwer werden diese Tiere. Wir mussten sie gerade verpasst haben und der nachfolgende Trupp stieß auf die gerade aus dem Meer steigende Schildkröte.

Wir eilten zur Tortue luth und kamen rechtzeitig zu den Vorbereitungen der Eiablage, die in ausgiebigen Grabungstätigkeiten bestehen:

zuerst buddelt die Schildkröte mit den Hinterfüßen ein bis zu einem halben Meter tiefes Loch.

50-100 fast tennisballgroße Eier legt sie unter gelegentlichem Schnaufen in das Loch. Wir beobachten mit einer guten Portion Ehrfurcht dieses faszinierende Naturschauspiel.

Nach etwa 20 Minuten waren die Eier „eingelocht“ und nach einer kurzen Verschnaufpause fing die eigentlich harte Schaufelarbeit an. Die Lederschildkröte begnügt sich nämlich nicht mit dem einfachen Zuschütten des Geleges, sondern gräbt auch umliegende Flächen um, damit etwaige Räuber das Gelege nicht sofort erkennen.

Alles in allem vergingen etwa 1,5 Stunden Vor der Anlandung bis zur Wiederkehr in das vertrauter Meer. Hier verbringen die weiblichen Meeresschildkröten 6 oder 12 Monate im Meer, keiner weiß genau wo, und ernähren sich vorwiegend von Quallen. Die Männchen kommen nie an Land. Nach dieser Zeit treffen sich die Weibchen zur Befruchtung der Eier mit den Männchen vor der Küste und legen erneut Eier. Gut beschützt durch die Strandbrigade des ivorischen Vereins CEM.