Die Fahrt mit der kleinen Pirogge

[Ok, es war noch nicht erster Advent…danke für den Hinweis, liebe Susanna]

Für eine kleine Expedition zu den Mangrovenwäldern an der Lagune haben wir uns von einem Fischer seine kleine Pirogge geliehen. Es ist ein Einbaum, hat keinen Kiel und ist deshalb ganz schön kippelig.

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Eine besondere Adventsbegegnung

Wir kommen kurzfristig aus dem mentalen Tritt, wenn wir darüber nachdenken, dass es bei uns zuhause 4 °C kalt ist und die Weihnachtsmärkte bereits geöffnet sind. Es ist erster Advent.

An diesem ersten Advent machten wir uns in minimaler Adventsstimmung auf unseren nächtlichen Schildkröten-Kontrollgang bei 25 °C und klarem Abendhimmel. Wir hofften nicht, an diesem Tag noch eine Schildkröte zu Gesicht zu bekommen, denn der aufgehende Mond schien bereits sehr hell und die Meeresschildkröten meiden Anlandungen bei Mondlicht. Sie mögen es lieber dunkel bei der Eiablage.

Außerdem waren wir am ersten Adventsmorgen bereits Geburtshelfer bei Olivenschildkröten-Babies und noch mehr Glück an einem Tag wagten wir nicht in Anspruch zu nehmen.

Erik, Inez und ich waren in einer Gruppe. Erik, der Chef der Strandbrigade in Pitiké, marschierte in einem Irrsinnstempo über den weichen Strand und ich vermutete, dass meine Schwierigkeiten mitzuhalten eventuell mit dem geringen Einsatz zu tun haben, mit denen ich in den letzten Jahren Leibesübungen betrieben habe. Ganz vielleicht steckte hinter diesem aufopferungswürdigen Sprint von Erik auch Imponiergehabe gegenüber der einzigen Frau im Team, was nicht mein Problem war. Mein Problem war eher mein zwickender Muskelkater in den Waden, der von dem ebenfalls strammen Tempo von letzter Nacht stammte. In der letzten Nacht hatten wir Glück und wir konnten eine Grüne Meeresschildkröte bei der Eiablage beobachten.

Wir staksten über den Strand in Richtung Dorf, in dessen Nähe Erik uns ein Eigelege zeigte, das bald seine kleinen Bewohner ins Leben entlässt.

Ein unangenehmes Piepen holte uns aus der heimelig-ruhigen Szene. Aus dem Walky Talky von Wolf krakelte eine aufgeregte Stimme: „Un luth, un tortue luth!!!“ – Eine Lederschildkröte! Die größte und beeindruckendste Schildkröte, die auf unserem Planeten existiert. Bis zu 2 m lang und bis zu 900 kg schwer werden diese Tiere. Wir mussten sie gerade verpasst haben und der nachfolgende Trupp stieß auf die gerade aus dem Meer steigende Schildkröte.

Wir eilten zur Tortue luth und kamen rechtzeitig zu den Vorbereitungen der Eiablage, die in ausgiebigen Grabungstätigkeiten bestehen:

zuerst buddelt die Schildkröte mit den Hinterfüßen ein bis zu einem halben Meter tiefes Loch.

50-100 fast tennisballgroße Eier legt sie unter gelegentlichem Schnaufen in das Loch. Wir beobachten mit einer guten Portion Ehrfurcht dieses faszinierende Naturschauspiel.

Nach etwa 20 Minuten waren die Eier „eingelocht“ und nach einer kurzen Verschnaufpause fing die eigentlich harte Schaufelarbeit an. Die Lederschildkröte begnügt sich nämlich nicht mit dem einfachen Zuschütten des Geleges, sondern gräbt auch umliegende Flächen um, damit etwaige Räuber das Gelege nicht sofort erkennen.

Alles in allem vergingen etwa 1,5 Stunden Vor der Anlandung bis zur Wiederkehr in das vertrauter Meer. Hier verbringen die weiblichen Meeresschildkröten 6 oder 12 Monate im Meer, keiner weiß genau wo, und ernähren sich vorwiegend von Quallen. Die Männchen kommen nie an Land. Nach dieser Zeit treffen sich die Weibchen zur Befruchtung der Eier mit den Männchen vor der Küste und legen erneut Eier. Gut beschützt durch die Strandbrigade des ivorischen Vereins CEM.

Erste Arbeiten

Die Anreise ins Projektgebiet hat alles in allem sechs Tage gedauert. Der Aufbau des Lagers ging zügig und wir waren froh, dass wir das große Tarp mitgeschleppt haben, denn die Regenzeit läuft nur allmählich aus und es schauert immer wieder kräftig.

Nun geht es an die Arbeit und wir erkunden in den kommenden Tagen die Lagunen, Mangroven, Strand und Meer.

Wir haben eher kleine Ausrüstung dabei,  weil wir erst einmal schauen wollen, was vor Ort näher zu untersuchen wirklich Sinn macht. Eines haben wir schon sehr bald gelernt: alles macht Sinn, denn es gibt bislang – die laufende Doktorarbeit von Alexandre ausgenommen – keine Beschreibung der Biologie und Ökologie von dieser einzigartigen Kombination von Wald, Lagunen, Strand und Meer in dieser Gegend. 

Vier Bereiche standen auf dem (biologischen) Programm: 

  1. die Lagune sichten, fotografieren, beschreiben, pH-Wert, Salinität und Sauerstoff messen
  2. nächtliche Kontrollgänge am Strand machen, um Meeresschildkröten-Gelege zu sichern, zu dokumentieren und die Erwachsenen Tiere zu markieren sowie Gewebeproben zu nehmen.
  3. Die Lebewelt fotografieren und einen ersten Eindruck von der Biodiversität und den ökologischen Zusammenhängen bekommen.
  4. Vogelkundliche Erhebungen mit Japannetzen und über Sichtungen. 

    Wolf hat sich schon jetzt eine Unmenge an Fotos geschossen. Wir freuen uns darauf sie auf einem großen Bildschirm zu betrachten. Immer wieder kamen auch die Mitglieder der Strandbrigade, die uns bei allen Dingen halfen und von denen wir viel lernen konnten, mit Tierexponaten aus Meer und Wald, vom Kugelfisch und Krabben bis zu Waran und Flusskrokodil. 

    In uns gärt der Plan, eine Veranstaltung zu verschiedenen Aspekten unserer Reise zu machen – mit Diashow und Vorträgen. Mal sehen, was wir von dieser schönen Idee im Alltag umsetzen können. 

    Assa hatte die längsten Arbeitstage; er stand jeden Morgen um sechs Uhr auf und ging seine Netze kontrollieren, obwohl er auch immer an den nächtlichen Kontrollgängen teilnahm. Assas ornithologische Schnellansicht resultierte in der nicht überraschenden Erkenntnis, dass die Vogelwelt an dem Strandabschnitt bei unserem Camp mit der angrenzenden alten Kokosplantage deutlich weniger divers war als der zwei Kilometer weiter östlich gelegene Lagunen- (Primär) -wald. Doch schon aus dem anthropogen geprägten Waldstück brachte er interessante Vögel zum Fotografieren ins Lager: Nektarvögel, Falken, Bülbül, Tauben. Immer wieder patroullieren Schwarzmilane und ein Afrikanisches Fischadlerpaar über der Küste. Nicht zu den Vögeln, aber zum hiesigen Luftraum gehören die Flughunde, die zu hunderten immer zur gleichen Zeit um halb sieben abends über unser Camp in ihr Nachtquartier ziehen. Inez hatte sich zur Angewohnheit gemacht, sich dann auf den Strand zu legen und in der Abenddämmerung die Flughunde über sich ziehen zu lassen.

    Peters und meine Messungen einiger abiotischer Parameter des Lagunenwassers an verschiedenen Standorten begannen etwas frustrierend, denn die pH-Sonde erwies sich als nicht funktionsfähig. Wir haben aber einige Salzgehalts- und Sauerstoffmessungen durchgeführt, aus dem wir einerseits den Einfluss des Meerwassers auf die Lagunen ableiten und andererseits Anhaltspunkte aus der Sauerstoffzehrung ziehen können. Beides sind entscheidende Einflussfaktoren für das Ökosystem und die Artenzusammensetzung. 

    Von den nächtlichen Kontrollgängen der Strandbrigade hatte uns Olaf schon vor längerer Zeit und ausführlich berichtet, denn sie bilden bislang das Rückgrat des Schutzprojektes.

    Über eine Strecke von insgesamt 40 km verteilen sich vier Gruppen in unterschiedlicher Personenstärke: sechs in Pitiké, sechs in Mani, zwei in Dawa und zwei in Rok. Die zwei größeren Gruppen laufen zeitversetzt im Abstand von einer halben Stunde in 2-er Gruppen einige Kilometer, um 1,5-2 Stunden Pause zu machen und anschließend wieder zeitversetzt zurück zu laufen. Diese Vorgehensweise verhindert, den Landgang der Meeresschildkröten zu verpassen. Diese brauchen nämlich 1-2 Stunden, um die Vertiefung für die Eiablage zu graben, die Eier abzulegen, das Loch wieder zuzugraben und schließlich den Rückweg ins Meer zu schaffen. 

    Erik, der Leiter der Strandbrigade von Pitiké, teilt uns in Gruppen von je drei Personen und die ein oder andere Nacht lassen die „Jungs“ von der Brigade die klimagestressten,  bürostuhlpupsenden Deutschen einfach schlafen und wecken uns, wenn es etwas zu sehen gibt.

    Unser Internet ist „alle“. Dieser Beitrag wird ein, zwei Tage später das Licht der Welt erblicken. 

    In den Busch

    Ich schreibe nun aus unserem Camp nahe dem Dorf Pitiké, in dem wir uns seit einem Tag aufhalten. 

    Dass wir überhaupt Internet an diesem Außenposten der Zivilisation nutzen können, ist schon erstaunlich. Aber in vielen Ländern Afrikas ist die Infrastruktur und Verwendungsvielfalt der mobilen Kommunikation viel weiter als in Europa. Leider reicht die Verbindung meist nicht für das Versenden von Fotos aus – die werden dann nachgeliefert, wenn wir wieder eine stabilere Verbindung haben.

    Pünktlich kam Alexandre uns mit dem Pickup abholen. Die Kardanwelle wurde in das Auto eingebaut, allerdings funktionierte der Vierradantrieb noch nicht, den wir später vermissen sollten.

    Wir verstauten uns und unser Gepäck im Auto und starteten nach einem kurzen Zwischenstopp im Supermarkt, um zwei  große Säcke Reis und Wasser zu kaufen, zu unserem ersten Reiseabschnitt. 

    Auf dem Reiseabschnitt nach Grand Bereby wurden wir gleich dreimal von Polizei und Militär angehalten und kontrolliert, was wir relativ gleichmütig hinnahmen. Einmal tat ein Anruf bei einem Vorgesetzten, den Alexandre kannte, Wunder, das andere Mal eine Flasche Pastis. Der eine Stopp hinterließ allerdings doch einen unangenehmen Beigeschmack wegen der für uns ungewohnten Aggressivität, mit der Verstößen von Verkehrsteilnehmern von Seiten der Autorität begegnet wird.

    Wir verloren durch die Kontrollen einige Zeit, trafen aber dennoch mit Vorfreude auf ein kühles Bier in Grand Bereby ein, um Assa, den Ornithologie-Studenten und Guivé von der Marinepolizei zu treffen. Guivé ist Gründungsmitglied des ivorischen Vereins CEM, der den Meeresschildkrötenschutz in Côte d’Ivoire organisiert. Gemeinsam fuhren wir mit zwei Autos weiter auf der Küstenstraße Richtung Westen. Inzwischen war die Dunkelheit ziemlich schnell hereingebrochen. An einer T-Kreuzung hielten wir bereits im Stockdunkeln und Alexandre fragte nach dem besten Weg nach Pitiké, unserem Zielort. Es hatte in dieser Gegend stark geregnet und die Straßen waren in erbärmlichem Zustand. Alexandre entschied sich den kürzeren Weg direkt an der T-Kreuzung zu nehmen, während Assa und Guivé im normalen PKW einen Umweg über die größere Straße nach Kablaké nahmen, ein Dorf, dass etwa 1,5 km westlich von Pitiké liegt. Was zunächst als normale Piste begann, mündete in einen Dschungelpfad, durch den gerade ein Auto passte. Man ahnte die Spuren des Pfades eher, rechts und links eine grüne Wand, was immerhin einigermaßen Orientierung lieferte. Die Pfützen hatten die Dimension von kleinen Tümpeln; dennoch fuhr Alexandre sicher und mit genügend Dynamik durch sie durch. Es passierte trotzdem, was wir alle befürchten, weil wir den Allradantrieb nicht benutzen konnten: ein besonders glitschiges und tiefes Exemplar stoppte unsere Rallyefahrt. Festgefahren. Einige Befreiungsversuche schlugen fehl, doch mit Hilfe der von Inez herbeigeschafften Palmwedel, die wir vor und hinter die Räder legten, sowie mit der geballten Power von fünf fluchenden, bis in die Haarspitzen mit Schlamm bespritzten, angemessen eingeschüchterten, aber abenteuerlustigen Westeuropäern bugsierten wir das Auto aus seiner Versenkung. Die angehobenen Arme waren Ausdruck von Jubel, aber auch eine typische Handbewegung, die imaginären und tatsächlichen Spinnen und sonstigen Viecher von unseren Nacken zu schubsen. 

    Ein paar Kilometer auf Sumpf-  und schließlich Strandsandpiste noch und wir erreichten das Dorf Pitiké…was wir erst garnicht wahrnahmen, denn das Dorf war komplett lichtfrei. Bewölkung und Neumond verstärkten den Effekt absoluter Dunkelheit. Dann leuchteten uns die ersten Taschen- und Stirnlampen entgegen und wir wurden zum Dorfchef geleitet, um unsere Begrüßung zu zelebrieren:

    Wir setzten uns in eine Runde von etwa 20 Personen. Jeder der anwesenden Dorfbewohner – es waren ausschließlich Männer – schien eine Funktion bei diesem Ritual zu haben. Der Dorfchef begrüßte uns erst persönlich, nachdem ein anderer unseren Reisezweck erläuterte. Dabei wurde jedem ein Glas Wasser ausgeschenkt. Der Dorfchef hieß uns willkommen und ließ dann einen Zuckerrohrschnaps kreisen. Olaf drückte unsere Dankbarkeit aus für den offenen Empfang und erklärte, dass uns der Schutz der Meeresschildkröten am Herzen liegt und die deutsch-ivorische Freundschaft hierbei eine besondere Rolle spielen kann. Darauf würde uns noch ein Sangria kredenzt. Das auf Französisch gehaltene Gespräch war teilweise mit Krou, die Sprache der Krouman in Pitiké, versetzt – eine sehr melodische Sprache. 

    Es fing wieder an zu regnen und wir verlegten unsere Runde in das bedachte, an den Seiten halboffene Versammlungshaus, ein durch den Verein und die kanadische Botschaft finanzierter Beitrag für ein leichteres Leben im Dorf. Es ergoss sich ein ganzer See von oben auf uns herab, es gewitterte heftig. Erst nachdem ein paar Geschenke ausgetauscht wurden und ein zweiter Zuckerrohrschnaps in die Runde ging, tauchten Assa und Guivé auf, die sich zufuß durch das Gewitter bis Pitiké durchschlugen. 

    Der Abend war noch nicht zu Ende, denn der abklingende Regen machte uns neugierig auf unseren ersten nächtlichen Meeresschildkröten-Spaziergang am Strand. Wir marschierten mit vier Gruppen aus je drei Personen und ausgestattet mit Rotlicht, um die Meeresschildkröten nicht vor der Anlandung abzuschrecken, zeitversetzt Richtung Osten. 

    Dieser Tag hatte damit einen wunderschönen Ausklang, am offenen Atlantik ins Nichts zu gehen, in der Hoffnung auf eine Begegnung mit einem der ehrfuchtgebietensten Geschöpfe, der Lederschildkröte.

    Nach einer Nacht im Schutz des Versammlungshauses, bauten wir unser Lager etwa anderthalb Kilometer östlich von Pitiké auf: 

    In San Pedro

    San Pedro hat uns die nötige Akklimatisierung verschafft, um weiter in das Projektgebiet nahe der liberianischen Grenze zu reisen. Das Klima ist für uns Mitteleuropäer eine Herausforderung, obwohl wir mit 28-30 °C am Ende der Regenzeit noch recht „gut bedient“ sind. Es schauert immer wieder heftig, in Begleitung von Gewittern oder einfach so. 

    In San Pedro haben wir Kontakt mit  unterschiedlichen Leuten, die direkt oder indirekt mit dem Meeresschildkröten-Projekt zu tun haben, z.B. den Künstler Koné, der mit einem unglaublichen Geschick Holz zu Skulpturen verarbeitet.
    Auch Schildkröten hat er für das Projekt schon geschnitzt, aus deren Erlös wir die Strandbrigade von Pitiké unterstützen.
    Assa haben wir ebenfalls kennengelernt, ein Ornithologie-Student aus Abidjan, der uns ins Projektgebiet begleiten wird.

    In San Pedro schlemmen wir einheimische Speisen, die stark gewürzten Fisch oder Huhn mit Maniokreis – Attiaké – auf einem Teller – Chep – in Garküchen oberhalb des Strandes in offenen Holzhütten serviert werden. Sehr lecker!

    Die Abfahrt nach Pitiké müssen wir um einen Tag verschieben, weil der Toyota Pickup eine neue Kardanwelle braucht. So haben wir noch Gelegenheit uns Schildkröteneier der Olivard Schildkröte anzuschauen, die von Meeresschildkröten-Schutz „angefixten“ Einheimischen von gefährdeten Gelegen in sicherere Strabdgefilden versetzt werden. Sie bekommen dafür ein wenig Geld vom einem deutschen Hotelbetreiber, der unser Schutzprojekt dadurch auch unterstützt. In seinem Hotel hatte Olaf vor einigen Jahren ein kleines Meeresschildkröten-Aufklärungsposter aufgehängt, das dort immer noch für Aufmerksamkeit sorgt.

    Wir hoffen sehr bald selbst Schildkröten bei der Eiablage beobachten zu können. Aber noch ist es nicht soweit; Wir warten noch auf Alexandre, der uns am kommenden Tag mit dem Pickup abholt. 

    Ocean africain

    Nachdem wir gestern noch ein paar mit allen Wassern gewaschenen Regenzeitschauern abwetterten, waren heute beste Voraussetzungen für eine spontane Fotosession mit Oceanwell-Produkten. Und da wir wegen eines Kardanwellentauschs an unserem Fahrzeug (ein Toyota Pickup aus ehemaligen UN-Beständen)  ungeplant einen zusätzlichen Tag in San Pedro hatten, ergaben wir uns bei schönstem Wetter unserem Schicksal. Und fotografierten Oceanwell. Aus allen Perspektiven 🙂 

    Westwärts nach San Pedro

    Was sich so ein bisschen nach dem Titel eines Italo-Westerns oder einer lateinamerikanischen Abenteuergeschichte anhört, bezeichnet unsere Weiterfahrt per Kleinbus von Abidjan an den westlichen Teil der ivorischen Küste.

    Der Cousin von Olaf, der bereits seit mehr als dreißig Jahren in dem Land lebt, hatte uns nicht nur mit einer Bleibe in seiner Wohnung den Einstieg nach Côte d’Ivoire erleichtert, sondern auch die Weiterfahrt nach San Pedro organisiert.

    San Pedro ist eine Stadt im Westen von Côte d’Ivoire, die den zweitgrößten Hafen des Landes stellt. Von hier wird der Kakao – Côte d’Ivoire ist global der größte Kakaoproduzent – in die Welt verschifft; das sind fast zwei Millionen Tonnen. Der Kakao wird nicht in großen Plantagen kultiviert, sondern stammt von Kleinbauern, die ihre Ernte an Einkäufer verkaufen. Der Preis, den die Bauern pro Kilogramm Kakao bekommen, beträgt nicht einmal 1 Euro. Auf der Fahrt nach San Pedro sehen wir immer wieder Matten oder Planen, auf denen der Kakao gleichmäßig verteilt trocknet.

    Tags zuvor haben wir uns mit Alexandre und José vom ivorischen Verein CEM in einer Bar in Abidjan getroffen, um noch einmal den Reise- und Arbeitsablauf durchzugehen. Bei dieser Gelegenheit haben wir Alexandre von den Protect-the-Ocean-Groschen bezahlte technische Ausrüstung übergeben: ein Notebook, ein GPS-Gerät, zwei Wildkameras. Wir verabredeten, uns Dienstag in San Pedro zu treffen und gemeinsam mit einem Ornithologie-Studenten in das Projektgebiet, das noch weiter im Westen liegt, weiterzureisen.

    Wir fahren in einem großen Bogen erst nach Norden, dann westwärts, anschließend über Soubré südlich nach San Pedro. Die Küstenstraße ist nach der Regenzeit nicht wirklich fernreisetauglich, so dass wir einen Umweg von fast 200 km in Kauf nehmen. Aber auch die gewählte Strecke erweist sich – mit Ausnahme der ersten 120 km Autobahn – als echter Schlagloch-Slalom-Parcours.
    Die Eindrücke von vorbeiziehender Landschaft und von den Menschen, die hier leben sind so vielfältig, dass wir bei unserer Ankunft in San Pedro nicht nur vom 500-km-Slalom körperlich erschöpft, sondern auch mental vorübergehend im Verarbeitungsmodus waren. 

    Mit standing ovations lobten wir die kunstvolle Weise, mit der uns der Fahrer nach San Pedro kutschierte und ergaben uns der grandiosen Meeres-Szenerie, zum Munde führend ein kühles Bier, auf dem Teller Zackenbarsch und Languste mit Maniok.