Kompost mit Plastikanteilen

Kompostierbares Plastik – Alles für die Tonne?

Bioplastik oder Biokunststoff ist kein klar definierter Begriff. Er bezeichnet sowohl den Kunststoff aus nachwachsenden Rohstoffen als auch den Kunststoff aus biologisch abbaubaren Polymeren. Beide Eigenschaften muss man sauber trennen, denn nicht jeder biobasierte Kunststoff ist biologisch abbaubar, und nicht jeder biologisch abbaubare Kunststoff ist biobasiert. Kompostierbares Plastik kann also auch auf Erdöl basieren.

Biokunststoffe

Biokunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen reduzieren den Verbrauch fossiler Brennstoffe. Es wird aus sogenannten Primärrohstoffen erzeugt – also neu hergestellt anstatt recycelt. Neben dem Flächenverbrauch für den Rohstoffanbau fallen so noch andere ökologische Kosten an: Wasserverbrauch, Einsatz von Pestiziden und Dünger sowie die Energie für die Produktion der Kunststoffe und Tüten etc.

Biokunststoffe aus organischem Material wie Zucker, Stärke oder Zellulose schienen mal die Lösung für alle Plastikprobleme und sind ein heiß umkämpfter Markt, mit zweistelligen Wachstumsraten auf der ganzen Welt. Aber dann stellte sich schnell heraus, dass vieles nur Greenwashing ist – für die Herstellung braucht man viel Chemie, Unmengen an Wasser oder muss die natürlichen Stoffe mit Weichmachern gefügig machen. Bioplastik auf Maisbasis heisst nicht automatisch, dass es biologisch abbaubar ist.

Der Großteil der Biokunststoffe wird heute aus kohlenstoffreichen Pflanzen wie Mais oder Zuckerrohr hergestellt. Diese sind sehr effizient, denn sie bringen die besten Erträge und benötigen die geringste Anbaufläche. Für den nachweislich nachhaltigen Anbau gibt es bereits entsprechende Zertifikate. Eine Konkurrenz zum Anbau von Nahrungs- und Futtermitteln besteht nicht, da gerade einmal 0,01 Prozent der weltweiten Landwirtschaftsfläche für den Anbau von Rohstoffen für Biokunststoffe verwendet wird. In zunehmendem Maße konzentriert sich die Entwicklung von Biokunststoffen auch auf Rohstoffe der zweiten und dritten Generation. Das sind vor allem nicht essbare Pflanzen, Abfallprodukte von Nahrungs- und Futterpflanzen, Algen oder sogar CO2 sowie Methan.

Aktuell sind die Mengen an entsorgten Biokunststoffen noch zu gering, als dass sich ihre sortenreine Trennung wirtschaftlich lohnen würde. Laut Bundesumweltministerium werden in Deutschland jährlich nur rund 0,3 – 0,5% aller Verpackungen aus oder mit biobasierten Kunststoffen hergestellt. Wenn das Volumen an Biokunststoffen allerdings in der Zukunft zunimmt, ist irgendwann der Punkt erreicht, an dem die Trennung von konventionellem Kunststoff auch für die Entsorgungs- und Recyclingindustrie interessanter wird. Bis dahin werden auch Biokunststoffe am sinnvollsten thermisch verwertet.

Es gibt bereits Materialien, die mit der Zeit von selbst zerfallen, jedoch bedeutet dies nicht, dass sie dann auch verschwunden sind. Die sog. oxo-abbaubaren Kunststoffe werden erzeugt, indem herkömmlichem Kunststoff (z.B. Polyethylen) Metallionen beigemengt werden. Das Metall oxidiert, sodass der Kunststoff schneller zerfällt. Der Kunststoff wird dadurch zerkleinert (fragmentiert), bis er kaum mehr wahrnehmbar ist. Das Plastik verschwindet jedoch nicht, sondern bleibt als Mikroplastik in der Umwelt. In der Landwirtschaft werden Produkte aus oxo-abbaubaren Kunststoffen eingesetzt. Die EU arbeitet bereits an einem Verbot dieser Stoffe.

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) kritisiert Bioplastik bereits seit Längerem. Selbst als kompostierbar gekennzeichneter Kunststoff solle keinesfalls in der Biotonne oder dem Kompost entsorgt werden, weil zumeist nur die Kompostierbarkeit in industriellen Kompostierungsanlagen – nicht aber unter naturgegebenen Umständen – geprüft wird.

Wieso wird Bioplastik faktisch nicht kompostiert oder recycelt?

  • Oft ist Biokunststoff für die Müllsortierungsanlage nicht von herkömmlichem Kunststoffen zu unterscheiden. Im Zweifelsfall werden die kompostierbaren Kunststoffe aussortiert und landen in der Verbrennung.
  • Die Zusammensetzung und Herkunft der Biokunststoffe sind oft nicht bekannt, und es gibt Mischungen verschiedener Stoffe. Damit diese nicht die Qualität des Kompost verderben, werden sie zu den herkömmlichen Kunststoffen sortiert.
  • Die meisten Biokunststoffe benötigen eine längere Verrottungszeit (im Schnitt 84 Tage) als es in üblichen Kompostieranlagen (42 Tage) möglich ist.

Welcher Müll tatsächlich in die Biotonne darf, ist regional unterschiedlich. Da die Abfallentsorgung kommunal geregelt wird, müsste sich der Verbraucher selbst informieren, wie Kunststoffe mit dem Label „kompostierbar“ entsorgt werden müssen. Dies findet in der Regel jedoch nicht statt.

Doch besonders bei Verpackungen, die mit Lebensmitteln oder organischen Stoffen in Berührung kommen, z.B. Kaffeekapseln, Einweggeschirr, Fast-Food und On-the-Go Verpackungen sowie Bioabfallbeutel, u.v.a. ist die Verwendung von kompostierbaren Kunststoffen durchaus sinnvoll und bringt Vorteile.

Plastikrohstoffe

In der Natur kompostiert biobasierter Kunststoff wie Polymilchsäure (PLA) im Vergleich zu erdölbasierten Kunststoffen innerhalb sehr kurzer Zeiträume vollständig. Es bleiben bis auf die natürlichen organischen Grundsubstanzen keine toxischen Reststoffe wie anorganische Verbindungen, Chlor-/ Kohlenwasserstoffverbindungen zurück.

Wir von oceanBASIS sind aktuell auf der Suche nach einem Folienbeutel für unsere Meeresgarten Produkte, der zu 100% aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt und zu 100% biologisch abgebaut wird. Die neue Verpackung soll, selbst wenn sie in die Natur oder ins Meer gelangt, nach 6 Wochen rückstandslos abgebaut werden und das Siegel „plastikfrei“ tragen. Einen vielversprechenden Hersteller haben wir bereits ins Auge gefasst.

Plastikzerfall

Dennoch muss vor allem die Öffentlichkeitsarbeit im Bereich der Abfallvermeidung und der korrekten Trennung der verschiedenen Wertstoffe wieder stärker kommuniziert werden. Irreführende Behauptungen und unsachliche Darstellungen lenken davon ab, worauf wir uns als Gesellschaft wirklich konzentrieren sollten: nämlich die Abkehr von der Wegwerfgesellschaft und den besseren Umgang mit der wertvollen Ressource Abfall.

Weitere Informationen gibt es im Blogbeitrag „Von Algen zu Biokunststoffen – oceanBASIS ist Teil des Netzwerkes ‚Bio2Pack'“.

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