Steinriff Kieler Foerde

Braucht die Kieler Förde künstliche Unterwasser-Riffe?

Das Unternehmen CRM – Coastal Research & Management ist die Mutterfirma von oceanBASIS. Sie erstellt meeresökologische Gutachten und führt Studien und Forschungsprojekte durch, zum Teil mit internationalen Partnern aus Wirtschaft und Universitäten. Auch im Bereich der Kieler Förde werden mehrfach im Jahr Tauchgänge durchgeführt, um die Entwicklung von Flora und Fauna einzelner Küstenabschnitte zu dokumentieren. Im Rahmen dieser gutachterlichen Tätigkeiten wurde auch das Konzept eines Verbundprojektes entwickelt. Dabei geht es darum, kleine Riffe mit hoher Artenvielfalt miteinander zu verbinden. In diesem Artikel beschreiben wir ein aktuelles Beispiel.

Die Kieler Förde besteht in weiten Teilen aus sandigen bis schlickigen Flächen. Durch den Bau von Häfen, Werften, Wellenbrechern und Militäranlagen sind in der Kieler Förde viele für die Unterwasserwelt wertvolle Hartboden-Lebensbereiche (Steinriffe) verloren gegangen. Bis in die 1970er Jahre wurde außerdem – auch an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste – eine kommerzielle Steinfischerei betrieben.

Für Fische wurde es dadurch zunehmend schwerer, geschützte Laichplätze, Rückzugs- und Versteckmöglichkeiten zu finden. Auch der auf Hartboden angewiesene Großalgen-Bestand, der vor allem aus Blasentang (Fucus sp.) und Zuckertang (Laminaria sp.) besteht, reduzierte sich drastisch. In der Folge sank auch die Artenvielfalt (Diversität): Schwämme, Anemonen, Muscheln, Schnecken, Krebse und Manteltiere fanden keinen Lebensraum. Diese Organismen benötigen Hartsubstrat wie Steine oder Ähnliches zum Anheften.

Ökologische Ausgleichsmaßnahmen

Gemäß Bundesnaturschutzgesetz muss der Verursacher Beeinträchtigungen, die durch Eingriffe in Natur und Landschaft entstehen, durch Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege ausgleichen. Das gilt auch für alle Baumaßnahmen im Meer, z. B. den Bau neuer Stege und Hafenanlagen, den Austausch von Spundwänden usw.

Ökologische Ausgleichsmaßnahmen im Meer werden durch Gutachterbüros wie CRM – Coastal Research & Management erarbeitet und wissenschaftlich begleitet. Eine ökologische Aufwertung von eher artenarmen Schlick- und Sandböden kann durch die Schaffung neuer Riff-Habitate erfolgen. Neben der Ansiedlung von Meerestieren bieten Natursteine auch für Großalgen optimale Anheftungsflächen. Diese sind effiziente Sauerstoffproduzenten, entziehen dem Wasser CO2 und Nährstoffe und bieten mit ihren strukturreichen Blattflächen Kinderstube und Verstecke für eine Vielzahl von Meeresorganismen.

Unterwasserriff als vielgestaltiger Lebensraum

In den Jahren 2000 und 2001 entstand aus Betontrümmern des ehemaligen U-Boot-Bunkers „Kielian“ das Riff Hasselfelde am Ostufer der Kieler Förde als ökologische Ausgleichsmaßnahme. CRM untersuchte in den Folgejahren regelmäßig, wie sich der Bewuchs und die Artenvielfalt auf dem neuen Unterwasserriff entwickelten.

RotalgeBereits nach 2 Jahren wurde durch die Gutachter festgestellt, dass sich das künstliche Riff Hasselfelde als neuer Lebensraum in der Kieler Förde gut etabliert hat. Durch die Verwendung unterschiedlicher Materialien in verschiedenen Größen wurde ein sehr vielgestaltiger Lebensraum geschaffen, der den Ansprüchen vieler Tier- und Pflanzenarten entspricht. Im Laufe der Zeit hat sich dort ein für die Kieler Förde ökologisch wertvolles Biotop entwickelt, sodass die Ausgleichsmaßnahme als außerordentlich gut gelungen angesehen werden kann.

Im Rahmen eines Verbundkonzeptes für die Kieler Förde sollen weitere Riffe hinzugefügt werden, damit sich die bereits angesiedelten Arten ausbreiten können und damit die Diversität weiterhin ansteigt.

Im zweiten Teil dieses Artikels berichten wir über ein weiteres Riff, das in diesem Jahr hinzugefügt wurde:

Naturschutz in der Kieler Förde: Biotopverbundkonzept für Unterwasser-Riffe

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