Naturschutz in der Kieler Förde: Biotopverbundkonzept für Unterwasser-Riffe

Die Vernetzung von Biotopen ist zu Land bereits seit vielen Jahren gängige Naturschutzpraxis (z. B. Grünbrücken oder Krötentunnel). Sie dient dem besonderen Schutz und Erhalt der Lebensräume von gefährdeten und schutzwürdigen Tier- und Pflanzenarten. Doch auch unter Wasser gibt es vielgestaltige und verwundbare Biotope. Das Biotopverbundkonzept Kieler Förde (CRM 2016) sieht vor, diese im Rahmen von Ausgleichs- oder Ersatzmaßnahmen untereinander in sinnvoller Weise so zu vernetzen, dass ein trophischer und genetischer Austausch zwischen den ansonsten inselartig isolierten Lebensräumen möglich ist.

Was sind ökologische Ausgleichsmaßnahmen?

Bei Bauvorhaben, durch die sich Nutzung oder Gestalt der Umgebung verändern, müssen Ausgleichsmaßnahmen durchgeführt werden, um die Eingriffe in das Ökosystem zu kompensieren (Bundes- und Landesnaturschutzgesetze). Im Küstenbereich werden dafür bevorzugt seltene und besonders artenreiche Biotoptypen angelegt wie z.B. Steinschüttungen.

In der Kieler Förde befinden sich vor dem Strand Hasselfelde (s. Titelfoto, zu sehen die Gemeine Strandkrabbe, Carcinus maenas) und vor dem Ölberg/Mönkeberg jeweils ein künstlich angelegtes Riff. Sie wurden als Ausgleichsmaßnahmen für Baumaßnahmen geschaffen.

Diese Riffe existieren bereits seit vielen Jahren und haben sich als neue Lebensräume gut etabliert. Durch die Verwendung unterschiedlicher Materialien in verschiedenen Größen wurde ein sehr vielgestaltiger Lebensraum geschaffen, der den Ansprüchen vieler Tier- und Pflanzenarten entgegenkommt. Im Laufe der Zeit haben sich dort ökologisch wertvolle Biotope entwickelt, sodass die Ausgleichsmaßnahmen als außerordentlich gut gelungen angesehen werden.

Bildbeschreibung (anklicken zum Vergrößern): Die Karte zeigt die ökologischen Ausgleichsmaßnahmen in der Kieler Förde vor Mönkeberg. Oben das Riff am Ölberg, unten Hasselfelde. Angrenzend das neu geschaffene Riff, als erster Schritt zum Verbund der beiden Flächen.

Neues Riff zur Biotopvernetzung

Ein erster Schritt zur Vernetzung der beiden Riffe wurde jetzt durchgeführt.
Die Gebrüder Friedrich Werft in Kiel Friedrichsort baut aktuell an einer neuen Pier, an der Schiffe mit bis zu 100 m Länge und 5 m Tiefgang instand gesetzt werden sollen. Da durch den Rückbau der alten Brücke und der Spundwand Meeresboden und Hartsubstrat verlorengehen, gab die Untere Naturschutzbehörde Kiel vor, dass ein ökologischer Ausgleich für die Baumaßnahme erfolgen muss.

Dieser ökologische Ausgleich wurde in Form von zwei kleineren Steinschüttungen und vielen Einzelsteinen – sogenannten Trittsteinen – vom Riff Hasselfelde ausgehend in Richtung Riff Ölberg realisiert. Außerdem wurde der für die Kieler Förde wertvolle Großalgen-Bestand (Zuckertang, Saccharina latissima) aus dem Baubereich vor der Werft entnommen und in der Ausgleichsfläche vor Hasselfelde wieder eingesetzt. Dies zusammen schafft eine sehr gute Ausgangsbasis für eine erfolgreiche Etablierung der neuen Ausgleichsfläche in die bestehenden Strukturen.

Bilder unten: Unsere Taucher holten den wertvollen Großalgen-Bestand aus dem Bereich vor der Gebrüder Friedrich Werft und siedelten ihn um auf das neue Riff. Rechts Zuckertang, Saccharina latissima.

Text: Dr. Monika Kock und Miriam Berwanger

Literatur:
CRM (2016): Abschlussbericht Rahmenkonzept für einen Sublitoralen Biotopverbund in der Kieler Förde. Im Auftrag des Umweltamtes Kiel. 40 S.

Bildnachweis:
CRM – Coastal Research & Management
Karte: Dipl. Biol. Martina Mühl
Fotos: Dipl. Biol. Verena Sandow

Weitere Informationen:
Website CRM – Coastal Research Management

Lies auch den ersten Teil dieses Artikels:

Braucht die Kieler Förde künstliche Unterwasser-Riffe?

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