Der unerwünschte Einwanderer

Das ist Mnemiopsis leidyi, auch unter dem klangvollen Namen „Meerwalnuss“ bekannt. Sie gehört zu den Rippenquallen.
Aufgrund ihrer skurrilen Form und ihrem diffusen Glitzern wirkt sie wie ein außerirdisches Wesen.

Ja, richtig gesehen! Unsere unscheinbare Meerwalnuss kann wirklich glitzern bzw. leuchten. Was auf den ersten Blick wie ein unüberschaubarer Wirrwarr aus durchsichtigem Glibber aussieht, ist in Wahrheit ein unglaublich ästhetisches  Lebewesen, welches durch sogenannte Biolumineszenz fähig ist unter Wasser zu leuchten.

Die Meerwalnuss kommt ursprünglich nicht aus der Ostsee, sondern aus den subtropischen Gewässern an der Atlantikküste von Nord- und Südamerika. 2007 kam sie vermutlich durch das Ballastwasser von Containerschiffen in die Ostsee und verbreitet sich seitdem unkontrolliert in unseren Gewässern.
Das Problem: Die Meerwalnuss hat hier keine natürlichen Feinde und kann sich deshalb ungestört weiter fortpflanzen, ohne dass sie sich sinnvoll in die Nahrungskette eingliedert. Die Tiere können am Tag tausende Eier produzieren und fressen währenddessen die Eier und Larven der heimischen Fisch- und Quallenarten. So sind z. B. die Eier und Larven der heimischen Ohrenqualle (siehe Bild unten links) auf dem Speiseplan der Meerwalnuss und klar im Verdauungstrakt der eingeschleppten Art zu erkennen (siehe unten rechts).

Die Ostsee ist allerdings nicht das einzige Meer, in dem sich die Meerwalnuss wohlfühlt. So wurden z. B. 1982 die ersten Exemplare im Schwarzen Meer gefunden, in welchem sie sich, aufgrund der fehlenden Fressfeinde, exponentiell vermehrten. Nur 7 Jahre später wurde die maximale Populationsdichte mit 300 Exemplaren pro Kubikmeter Wasser erreicht. Diese extreme Verbreitung der nicht heimischen Art hatte unter anderem die Folge, dass die Sardellen-Fischerei im Schwarzen Meer auf ein Zehntel der ursprünglichen Zahl zurückging.
Um gegen die unkontrollierbar erscheinende Masse von Quallen vorzugehen, wurde eine weitere Rippenquallen-Art ins Meer geführt. Die Beroe ovata ist ein natürlicher Fressfeind von Mnemiopsis leidyi und schaffte es erfolgreich die Population zurückzudrängen.

Doch es ist immer ein Balanceakt in ein solch sensibles Ökosystem einzugreifen, auch wenn man „nur“ versucht seine eigenen Fehler zu beheben. Der Mensch weiß zu wenig von den globalen Auswirkungen seiner Taten. Wenn er in ein solches System eingreift, gibt es immer nur Schadensbegrenzung und nie eine wahre Optimierung.

 

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Veröffentlicht von

Nikolas Linke

Nikolas Linke

Mein Name ist Nikolas Linke. Ich bin freischaffender Fotograf und bin mit oceanBASIS aufgewachsen und gewachsen. Mir liegt die Natur sehr am Herzen, insbesondere das Element Wasser. Ich sehe es als Privileg, solch einen Schatz zu schützen. Ich habe eigentlich immer meine Finger im Spiel, wenn es bei oceanBASIS um Foto- oder Videografie geht.

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