Fifty shades of blue – die Farben des Meeres

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Wenn Kinder das Meer malen, ist es natürlich blau. Aus der Karibik oder dem Mittelmeer kennt man es, dieses herrlich tiefe bis ins Türkise schillernde Blau, das zum Reinspringen einlädt, während an der Ost- und Nordsee oft graublaue, braune oder grüngelbliche Farbtöne vorherrschen.

Wieso hat das Meer überhaupt eine Farbe, wenn ein Glas Wasser doch einfach nur durchsichtig erscheint? Wird vom Meer vielleicht einfach nur die Farbe des Himmels gespiegelt?

Dass die Meeresfarbe nicht ganz so leicht zu erklären ist, hat man früh erkannt. Der Hamburger Ozeanograph und Meereschemiker Kurt Kalle hat schon in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts theoretische Überlegungen und Ergebnisse wissenschaftlicher Messungen unter dem Titel „Zum Problem der Meerwasserfarbe“ veröffentlicht. Die umfangreichen Ausführungen lesen sich etwas trocken und physikalisch. Man kann die Entstehung der Meeresfarbe aber zum Glück auch ohne die vielen Details in einigen Sätzen zusammenfassen:

Zusammenspiel von Licht und Wasser

Sonnenlicht, das ins Meer eindringt, besteht aus einem breiten Farb- bzw. Wellenlängenspektrum. Je nach Wellenlänge wird das Licht von den Wassermolekülen in verschiedenem Maß absorbiert, also „verschluckt“ oder zurückgestreut. Der langwellige rötliche Anteil wird stärker absorbiert als der kurzwellige blaue Anteil des Lichts. Der blaue Anteil des Lichts kann also tiefer ins Wasser eindringen und dadurch von mehr Wassermolekülen zurückgestreut werden. Die Kombination der beiden Prozesse Absorption und Rückstreuung führt dann dazu, dass wir tiefes Meereswasser als blau wahrnehmen, während es zum Strand hin immer heller und durchsichtiger wird – so wie das Wasser im Glas.

Schwebstoffe, Algen & Co.

Nord- und Ostsee erscheinen nun aber oft eher graublau, braungelb oder grünlich. Das liegt daran, dass die Farbe des Meeres in unseren Küstengewässern nicht nur durch das Zusammenspiel von Licht und Wasser bestimmt wird. Schwebstoffe, gelöste gelbliche Humusstoffe und auch die Farbe des Grundes beeinflussen die Absorption und Streuung des Sonnenlichts hier zusätzlich. Nährstoffeinträge über Flüsse und aus der Landwirtschaft schaffen gute Wachstumsbedingungen für Algen, die wir wegen der Eigenschaften des Algen-Chlorophylls als grünlich wahrnehmen.

In manchen südlichen Küstenlagunen kann das Meer sogar rosa erscheinen, wenn sich bestimmte salzliebende Mikroalgen stark vermehren, die viel Carotin produzieren. Bewundern kann man dieses Phänomen zum Beispiel in den Salzlagunen der französischen Camargue. Nebenbei sind diese Mikroalgen und die kleinen Krebse, die sich von den Mikroalgen ernähren, auch der Grund dafür, dass Flamingos rosa aussehen, wenn sie diese Krebse fressen.

Die Farbe des Meeres wird also von vielen Faktoren beeinflusst, die sich im ständigen Wandel befinden. Das für uns so einladende tiefe Blau finden wir besonders dort, wo viel Sonnenlicht auf tiefes Wasser trifft, das kaum Schwebstoffe enthält und von geringer biologischer Fruchtbarkeit für Algen ist. Blau wird daher auch die „Wüstenfarbe“ des Meeres genannt.

 

Fotos: Martina Mühl, Sven Petersen, Phil59 auf Pixabay.com (Rote Lagune)
Literatur: Kalle, K.  Zum Problem der Meerwasserfarbe. Ann. der Hydrogr.
und marit. Meteorol., 1938, 1—13.

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Veröffentlicht von

Sven Petersen

Mein Name ist Sven Petersen. Bei oceanBASIS/CRM bin ich für Forschungs- und Entwicklungsprojekte in den Bereichen Biotechnologie und Naturstoffe verantwortlich. Als Meeresbiologe fasziniert mich das Meer nicht nur beruflich, sondern auch in der Freizeit beim Segeln, Paddeln oder Tauchen.

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