Braunalgen unter Wasser

Welche Arten von Algen gibt es?

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Algen sind eine uralte Gruppe von Pflanzen, die im Wasser leben. Vermutlich leben mehrere 100.000 Arten in den Gewässern der Erde. Sie spielen eine große ökologische Rolle in der Natur, weil auch sie maßgeblich an der Erzeugung des atmosphärischen Sauerstoffs beteiligt sind. Wir zeigen Euch, welche verschiedenen Gruppen von Algen es gibt.

Da alle Algen in der Lage sind, Photosynthese zu betreiben, also Energie aus dem Sonnenlicht zu nutzen, kann man sie grob zu den Pflanzen zählen – auch wenn hier im biologischen Sinne differenziert wird.

Algen bilden eine sehr verschiedengestaltige Gruppe von Lebewesen. Grob unterscheidet man zwischen:

a) Groß- oder Makroalgen, die gewöhnlich fest angewachsen am Meeresgrund stehen. Unter den Großalgen kann man wiederum Braun-, Rot- und Grünalgen unterscheiden. Die Makroalgen können fädig verzweigt, fingerartig oder blattartig geformt auftreten. Wie die Abbildung unten zeigt, besitzen Algen im Gegensatz zu den Pflanzen keine gegliederten Blätter, sondern das Phylloid. Auf festem Untergrund lebende Arten bilden ein Haftorgan (Rhizoid). Freischwimmenden Arten fehlt dieses. Bei den sehr großen Tangen kommt zwischen Rhizoid und Phylloid häufig ein “Stiel”, das Cauloid, vor. Die meisten Algenzellen sind von einer festen Zellwand umgeben, bestehend aus einer gelartigen, leicht verschleimenden, nicht kristallinen Grundsubstanz, die in ein kristallines, meist fibrilläres Grundgerüst eingelagert ist. 

Aufbau der Braunalge Laminaria (Saccharina latissima)

b) Mikroalgen, die mit bloßem Auge als Einzelpflänzchen nicht zu erkennen sind, und die im Wasser umhertreiben. Dieses sogenannte Phytoplankton (pflanzliches Plankton) ist die Grundlage für fast das gesamte Nahrungsnetz im Meer.

Einzellige Mikroalgen kommen sowohl im Süßwasser als auch im Meer vor. Bekannt geworden sind u. a. die Schneealgen (darunter die „Goldalgen“ und der „Blutschnee“) oder Chlorella, welche in Lebensmitteln, Nahrungsergänzungen und Kosmetika eingesetzt wird. Manche dieser Arten produzieren wertvolle Antioxidantien wie das blutrote Astaxanthin aus der Blutregenalge (Haematococcus pluvialis). 

Unterscheidung der Makroalgen

Die Makroalgen – auch Tange genannt – unterteilt man hauptsächlich nach ihren Farben: Braun-, Rot- und Grünalgen.

Braunalgen (Phaeophyceae) sind große Algen mit gesundheitsfördernden Inhaltstoffen für Lebensmittel und und Kosmetik, z. B. Zuckertang – auch Kombu genannt (Saccharina latissima), Fingertang (Laminaria digitata), Blasentang (Fucus vesiculosus) und Wakame (Undaria pinnatifida).

Die Stabilität der Braunalgen beruht auf der Substanz Alginat, welches in der Lebensmittelindustrie als Geliermittel bzw. Verdicker verwendet wird. Alginat, welches wir als Verdicker im Zellaktivierenden Meeres-Gel einsetzen, gehört in die Stoffgruppe der langkettigen Zucker (Polysaccharide). Obwohl die Braunalgen nicht grün sind, gehören sie zu den Pflanzen. Das zeigt sich am besten, wenn man eine Braunalge in heißes Wasser taucht: Sie wird schlagartig grün, da die braunen Farbstoffe durch die Hitze zerstört werden und so der grüne Farbstoff Chlorophyll sichtbar wird. Zu den Farbstoffen der Braunalgen gehört das Fucoxanthin, einem Vertreter der sog. Xanthophylle. 

Ebenfalls charakteristisch für Braunalgen sind die Fucoidane, welche in der Wissenschaft zurzeit sehr gefragt sind. Es handelt sich um spezielle Algenzucker, welche Schwefelverbindungen enthalten und sehr variabel sind.

Zu den Rotalgen (Rhodophyceae) gehören z.B. wohlschmeckende Dulse (Palmaria palmata), die Sushi-Alge Nori (Porphyra) und das Irisch Moos (Knorpeltang; Chondrus crispus). Die Stabilität der Rotalgen basiert auf den Polyzuckern Carrageen und Agar-Agar, welche ebenfalls in der Lebensmittelindustrie eingesetzt wird.

Die rote bis violette Farbe entsteht durch Phycobiline (hellrotes Phycoerythrin in Kombination mit blaugrünen Phycocyanin) sowie orangefarbene Carotinoide und rötliche Xanthophylle wie Lutein und Zeaxanthin, die auch in unserer Nahrungsergänzung My SkinShield enthalten sind. Extrakte der Rotalge Palmaria sind auch im Palmaria-Öl und im OceanCollagen Protecting Serum enthalten.

Von den Grünalgen (Chlorophyceae) gibt es sowohl große als auch mikroskopisch kleine Formen. Ein bekannter Vertreter der Grünalgen ist der Meersalat (Ulva lactua). Die grünen Makrolgen sind Vorfahren der Landpflanzen und nutzen als Gerüstsubstanz die Cellulose, welche das Ausgangsmaterial für Papier und Baumwolle ist.

Weitere Algengruppen

Eine weitere Gruppe – die sog. Blaualgen – gehören in der biologischen Systematik zu den Cyanobakterien. Der bekannteste Vertreter dieser Gruppe ist Spirulina, die wegen der besonderen Proteine in Nahrungsergänzungen genutzt wird. Diese Algengruppe hat vor ca. 2,5 Milliarden Jahren die Photosynthese sozusagen „erfunden“, ihnen ist es zu verdanken, das wir heute in einer sauerstoffhaltigen Atmosphäre leben. Es sind aber auch diese Blaualgen, die in Form einer “Algenblüte” zu einem großen Problem für Gewässer werden können. Ihre massenhafte Vermehrung durch Überdüngung des Gewässers führt gleichzeitig zum Absterben und Absinken der Algen, die dann am Grund zersetzen und dabei Sauerstoff verbrauchen. In der Folge entstehen die sog. “Todeszonen” am Meeresboden. Die Massenentwicklung von Algen kann mit der einhergehenden Bildung von Algengiften auch die Gesundheit des Menschen gefährden.

Der blaugrüne Farbstoff Phycocyanin aus Spirulina ist ebenfalls als Antioxidanz begehrt. Er gibt auch den blaugrünen AFA-Algen (Aphanizomenon flos-aquae) aus dem Upper Klamath Lake in Oregon/USA die charakteristische Farbe.

Kieselalgen oder Diatomeen sind eine besondere Form der einzelligen Algen, deren formenreiche Zellhülle durch eingelagertes Siliciumdioxid (ugs. “Kielselsäure”) sehr hart und beständig ist.

Eine besondere Form der Algen sind die an Land lebenden Flechten, die in der Lage sind, längere Trockenphasen zu überleben. Dies wird möglich durch eine Symbiose der einzelligen Grün- oder Blaualgen mit speziellen Pilzgattungen. Bekannt ist z.B. das Islandmoos, eine Strauchflechte, die gern in der Floristik Verwendung findet oder das Spanische Moos (Tillandsia), welches von Bäumen herabhängend wächst.

Übersicht der verschiedenen Gruppen von Algen

Algen sind die einzigen Organismen, welche in der Lage sind, die wertvollen Omega-3-Fettsäuren EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure) zu bilden. Das Vorkommen dieser Fettsäuren in Fischen und anderen Meerestieren liegt daran, dass diese die Algen fressen und die Fettsäuren einlagern.

Das Seegras (Zostera) gehört im Übrigen nicht zu den Algen, sondern ist eine vom Land ins Meer zurück gewanderte grasartige Gefäßpflanze.

Fazit: Algen sind nicht nur Sauerstofflieferant, sondern haben durch ihren evolutionären Vorsprung gegenüber den Landpflanzen eine Vielzahl an Strategien und wertvollen Stoffen entwickelt, um sich gegen Umweltbedingungen zu schützen. Diese können wir Menschen für uns nutzen – sowohl zum Schutz der Haut als auch für die Schönheit und Gesundheit von innen.


Bildquellen:
Beitragsbild von Nikolas Linke
Übersicht und Aufbau: CRM – Coastal Research & Management
Algenbilder: Meeresgarten

Weiterführende Infos:
Wenn Du Dich für essbare Algen interessierst, lies auch unseren Beitrag Algen – die gesunde Delikatesse aus dem Meer

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Veröffentlicht von

Thorsten Walter

Mein Name ist Thorsten Walter. Ich bin Diplombiologe und arbeite nebenberuflich als Präventionspraktiker und Gesundheitsberater. Meine Aufgabe bei oceanBASIS ist der Bereich "actives", also die Wirk- und Rohstoffe der Kosmetik.

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