Rochen

Von unheimlichen Wesen aus dem Meer

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Seeleute haben immer schon die tollsten Geschichten erzählt: Piratenschätze, Seejungfrauen, Riesenkraken, Sirenen, Geisterschiffe. Je spannender die Erzählungen, desto wahrscheinlicher gaben interessierte Zuhörer ein Bier aus.
Noch lukrativer war es, wenn zu den Geschichten ein Beweis vorgezeigt werden konnte. Da wurden Seemänner erfinderisch…

Einige der skurrilsten Mitbringsel von See habe ich bei meinem letzten Besuch im Kuriosen Muschelmuseum auf Spiekeroog gesehen: handtellergroße, weißliche, getrocknete Wesen, Meeresbewohner mit Armen, Beinen, einem fremdartig dreieckigen Kopf mit bösem Gesicht. Diese Wesen könnten direkt aus der Hölle entstiegen sein, mit ihrem langen teufelsähnlichen Schwanz und der bedrohlichen und kampfbereiten Pose. Einer hat sogar Flügel wie ein Drache.

Jenny Haniver
Seemänner brachten unheimliche Meereswesen mit nach Hause, mit fremdartig dreieckigem Kopf mit bösem Gesicht.

Jenny Haniver

Da will man genauer hinschauen. Es ist auf jeden Fall ein echtes Lebewesen – aber was genau wurde hier aus dem Meer gezogen? Augen und Mund, Arme und Beine….
Als Name wird Jenny Haniver angegeben, eine Sammelbezeichnung für diese Art von Wesen. Und es ist tatsächlich ein Meereslebewesen, von Seemännern aus dem Meer geholt…; aber danach so verändert, dass es sich gut verkaufen ließ: ein Rochen, zerschnitten, in Form gelegt und getrocknet.

Eine der frühesten Erwähnungen dieser Wesen findet sich in der Historia Animalium von Conrad Gessner aus dem Jahr 1558. Der Naturforscher erklärte damals schon, dass es sich um Präparate eines Rochens handelt, also keinesfalls um eigene Meeresarten.
Das werden die Seemänner vermutlich nicht erzählt haben, wenn sie ihre Jenny Haniver zeigten und verkauften…

MeereswesenBildnachweis:
Das Titelfoto zeigt einen Adlerrochen – by David Clode on Unsplash
Zeichnungen: Susan Kruse

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Veröffentlicht von

Susan Kruse

Mein Name ist Susan Kruse. Ich bin Diplom-Biologin und arbeite sehr gerne in dieser besonderen Firma, die nicht nur interessante Forschung betreibt, sondern aus dieser Forschung heraus handfeste, nutzbare und möglichst nachhaltige Produkte entwickelt. Es pulsiert in unseren Räumen am Tiessenkai, Ideen sprühen und fallen auf fruchtbaren Boden. Ich freue mich, Teil dieses Ganzen zu sein.

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