Der Ausflug in den Küstenwald

Es war noch ein Tag Zeit, um die lange Rückreise aus dem „hintersten“ Küstenwinkel von Côte d’Ivoire nach Hause anzutreten. Anstatt am Strand abzuhängen – was ja durchaus seinen Reiz gehabt hätte – entschieden wir uns für einen Ausflug in den primären Küstenwald an der Mündung des Dodo.

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Unbekannte Unterwasserwelt

An Land machen die Naturschutzbemühungen in unserem Reisegebiet zwischen Pitiké und Grand Bereby Fortschritte. Besonders nach dem Zusammenschluss von neun Krouman-Familien mit ausgedehnten Landbesitzungen und der von Ihnen beantragte Réserve Naturelle Volontaire ist auf Basis eines Gesetzes von 2002 ein Prozess in Gang gekommen, der die Voraussetzungen für ein freiwilliges Schutzgebiet erfüllen soll;

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Die Fahrt mit der kleinen Pirogge

[Ok, es war noch nicht erster Advent…danke für den Hinweis, liebe Susanna]

Für eine kleine Expedition zu den Mangrovenwäldern an der Lagune haben wir uns von einem Fischer seine kleine Pirogge geliehen. Es ist ein Einbaum, hat keinen Kiel und ist deshalb ganz schön kippelig.

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Eine besondere Adventsbegegnung

Wir kommen kurzfristig aus dem mentalen Tritt, wenn wir darüber nachdenken, dass es bei uns zuhause 4 °C kalt ist und die Weihnachtsmärkte bereits geöffnet sind. Es ist erster Advent.

An diesem ersten Advent machten wir uns in minimaler Adventsstimmung auf unseren nächtlichen Schildkröten-Kontrollgang bei 25 °C und klarem Abendhimmel. Wir hofften nicht, an diesem Tag noch eine Schildkröte zu Gesicht zu bekommen, denn der aufgehende Mond schien bereits sehr hell und die Meeresschildkröten meiden Anlandungen bei Mondlicht. Sie mögen es lieber dunkel bei der Eiablage.

Außerdem waren wir am ersten Adventsmorgen bereits Geburtshelfer bei Olivenschildkröten-Babies und noch mehr Glück an einem Tag wagten wir nicht in Anspruch zu nehmen.

Erik, Inez und ich waren in einer Gruppe. Erik, der Chef der Strandbrigade in Pitiké, marschierte in einem Irrsinnstempo über den weichen Strand und ich vermutete, dass meine Schwierigkeiten mitzuhalten eventuell mit dem geringen Einsatz zu tun haben, mit denen ich in den letzten Jahren Leibesübungen betrieben habe. Ganz vielleicht steckte hinter diesem aufopferungswürdigen Sprint von Erik auch Imponiergehabe gegenüber der einzigen Frau im Team, was nicht mein Problem war. Mein Problem war eher mein zwickender Muskelkater in den Waden, der von dem ebenfalls strammen Tempo von letzter Nacht stammte. In der letzten Nacht hatten wir Glück und wir konnten eine Grüne Meeresschildkröte bei der Eiablage beobachten.

Wir staksten über den Strand in Richtung Dorf, in dessen Nähe Erik uns ein Eigelege zeigte, das bald seine kleinen Bewohner ins Leben entlässt.

Ein unangenehmes Piepen holte uns aus der heimelig-ruhigen Szene. Aus dem Walky Talky von Wolf krakelte eine aufgeregte Stimme: „Un luth, un tortue luth!!!“ – Eine Lederschildkröte! Die größte und beeindruckendste Schildkröte, die auf unserem Planeten existiert. Bis zu 2 m lang und bis zu 900 kg schwer werden diese Tiere. Wir mussten sie gerade verpasst haben und der nachfolgende Trupp stieß auf die gerade aus dem Meer steigende Schildkröte.

Wir eilten zur Tortue luth und kamen rechtzeitig zu den Vorbereitungen der Eiablage, die in ausgiebigen Grabungstätigkeiten bestehen:

zuerst buddelt die Schildkröte mit den Hinterfüßen ein bis zu einem halben Meter tiefes Loch.

50-100 fast tennisballgroße Eier legt sie unter gelegentlichem Schnaufen in das Loch. Wir beobachten mit einer guten Portion Ehrfurcht dieses faszinierende Naturschauspiel.

Nach etwa 20 Minuten waren die Eier „eingelocht“ und nach einer kurzen Verschnaufpause fing die eigentlich harte Schaufelarbeit an. Die Lederschildkröte begnügt sich nämlich nicht mit dem einfachen Zuschütten des Geleges, sondern gräbt auch umliegende Flächen um, damit etwaige Räuber das Gelege nicht sofort erkennen.

Alles in allem vergingen etwa 1,5 Stunden Vor der Anlandung bis zur Wiederkehr in das vertrauter Meer. Hier verbringen die weiblichen Meeresschildkröten 6 oder 12 Monate im Meer, keiner weiß genau wo, und ernähren sich vorwiegend von Quallen. Die Männchen kommen nie an Land. Nach dieser Zeit treffen sich die Weibchen zur Befruchtung der Eier mit den Männchen vor der Küste und legen erneut Eier. Gut beschützt durch die Strandbrigade des ivorischen Vereins CEM.

Vorfreude

Den Oceanblog wollen wir in den nächsten Wochen für die Dokumentation unserer Reise nach Côte d ‚Ivoire nutzen. Unsere kleine Expedition dient der Unterstützung des mit dem ivorischen Verein CEM gemeinsam initiierten Schutzes der Meeresschildkröten in dem westafrikanischen Land. 

Die Reiseplanungen sind soweit abgeschlossen, Impfungen bereits absolviert, Anschaffungen und Mitbringsel für unsere Gastgeber erledigt… wir hinterlassen einen Berg an Arbeit. Diesen wissen wir bei unseren Kollegen in guten Händen. 

Diese Reise hat eine Vorgeschichte, die kurz erzählt sei. Olaf Grell, selbständiger Biologe aus Kiel, war vor einigen Jahren für ein wissenschaftliches Projekt das erste Mal in Côte d’Ivoire. Damals hat er die Dörfer und ihre Bewohner der westlichen Küste des Landes kennengelernt und schnell begriffen, dass die Meeresschildkröten dort akut in Gefahr sind. Auch durch die Küstenbewohner und deren Angewohnheiten, die Schildkröten und ihre Eier, die sie im warmen, tropischen Sand ablegen, zu verspeisen. Hier erkannte Olaf das große Potenzial an Aufklärung, Schutz und zukünftiger nachhaltiger Nutzung. Wir waren bei seinen Schilderungen von Kultur und Landschaft sofort elektrisiert, weil auch eine sinnvolle Unterstützung aus Sicht von uns Meeresbiologen und Europäern möglich scheint.

Jetzt sitzen wir im Brüsseler Flughafen und warten auf unseren Flug nach Abidjan. Wir, d.h. Inez Linke, Olaf Grell, Peter Krost, Wolf Wichmann und ich, Levent Piker.

Demnächst mehr von unserer Reise aus Côte d’Ivoire.

Gut mit Eisbären versorgt

Die letzte Ölung der Meere

Chronische Ölverschmutzungen vergiften die Meere

Die Weltmeere umspannen die größte Fläche der Erde. Erst allmählich wird uns die Bedeutung dieses Lebensraumes für das gesamte Leben auf der Erde bewusst. Die schleichende Gefahr der Ölverschmutzungen ist weiterhin akut, aber unsere Aufmerksamkeit hat sie lange nicht mehr.

Die Informationen und Bilder, die uns in den Medien nach einer Ölkatastrophe zugespielt werden, lassen keinen Zweifel an der todbringenden Wirkung großflächiger Ölverschmutzungen: massenhaftes Seevögel- und Fischsterben sind augenscheinliche Folgen. Diejenigen Seevögel, die den sofortigen toxischen Wirkungen einer Ölverschmutzung entkommen sind, erfrieren, ertrinken oder verhungern, weil ihr Magen verklebt die spe­zielle wärmeisolierende und wasserabweisende Gefiederstruktur zerstört wird. Meist dient die Pflege verölter Vögel auch mehr der Beruhigung des menschlichen Gewissens als der tatsächlichen Rettung der betroffenen Tiere.

Öl – Wundertüte aus 1001 Substanz

Die Worte »Erdöl« oder »Rohöl« eigneten sich als Musterobjekt semantischer Abhandlungen und haben im Laufe der ersten 100 Jahre unterschiedliche Assoziatio­nen hervorgerufen. Erst Segen, dann Fluch. Was für ein Ding bezeichnet dieses Wort wirklich?

Nach Jahrmillionen der geologischen und biologischen Veränderungen entstand ein Substanzgemisch mit mehr als 17.000 verschiedenen organischen und anorganischen Verbindungen – das Öl.

Deren Hauptkomponente sind die Kohlenwasserstoffe (KW). Unter ihnen sind die gesättigten, nichtzyklischen Kohlenwasserstoffe (Paraffine, Alkane, aliphatische Kohlenwasserstoffe) am häufigsten vertreten. Daneben existieren gesättigte zykli­sche Kohlenwasserstoffe (Cykloalkane), aromatische Kohlenwasserstoffe sowie Kohlenwasserstoffderivate, die Stickstoff, Schwefel und Sauerstoff enthalten.

Mehrere Spurenmetalle begleiten die organischen Verbindungen. Hierbei treten insbesondere Vanadium und Nickel hervor, die oft mehrere tausend Milligramm pro Liter Erdöl ausmachen. Diese Spurenmetalle im sind meist noch giftiger als die Kohlenwasserstoffe. Je nach Herkunft kann die Zusammensetzung des Erdöls stark schwanken. Sie ist abhängig vom Ausgangsmaterial der Erdölentstehung, von den Bedingungen der Verrottung und von der Art geologischer Einflußnahme auf das organische Material. Zur Identifizierung einer bestimmten Erdölsorte bzw. zur Aufdeckung einer Ver­schmutzungsquelle bedient man sich bestimmter Verbindungen (Marker), meistens der Cycloalkane, oder dem Isotopenverhältnis von 13C zu 12C. Die Produkte der industriellen Verarbeitung von Rohöl durch die Aufarbeitung in Raffinerien (Gasolin, Leichtbenzin, Schwerbenzin, Petroleum, Schmieröl, Diesel) enthalten die gleichen Kohlenwasserstoffklassen, die das Rohöl selbst enthält. Die Palette wird durch die Olefine (ungesättigte Kohlenwasserstoffe), die bei der thermi­schen oder katalytischen Spaltung (»Cracking«) entstehen, ergänzt.

Lotterie mit ökologischer Schadensgarantie

Öl ist nicht gleich Öl, und mit jeder der vielzähligen molekularen Strukturen im Erdöl ist eine bestimmte physikalische und chemische Eigenschaft verbunden, die das Verhalten im Meer bestimmt und eine potenzielle biologische Systeme beeinflusstt. Die Möglichkeiten und die Wahrscheinlichkeit einer Verände­rung von Ökosystemen durch diese Melange an gefährlichen Stoffen sind enorm groß. Kauft man sich mehrere tausend Lose der Umweltschaden-Lotterie ist ein „Gewinn“ so gut wie sicher- und das enthält kaum Nieten.

Oberkante Unterlippe – so schnell steigt der Meeresspiegel

Der Klimawandel ist im vollen Gange und eine der dramatischsten Auswirkungen ist der Anstieg des Meeresspiegels, der große Teile der heutigen Küsten schon heute betrifft. Nur wenige eingeweihte Wissenschaftler kennen die Fakten. Das kann sich nun ändern:

Eine mehrere Monate dauernde Recherche des unabhängigen Recherchezentrums „Correctiv gGmbH“, gemeinsam mit Journalisten aus sieben Ländern, hat erstmals riesige Datenmengen der globalen Wasserpegel qualitativ aufgearbeitet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

In mehreren Artikeln arbeitet die Journalistin Annika Joeres diesen Datenschatz auf, zeigt wahrscheinliche Folgen des Meeresspiegelanstiegs auf und gibt Denkanstöße, was wir noch dagegen tun können.

Annika Joeres und „Correctiv“ haben die Artikel zur Weitergabe freigegeben, bitten aber um Nennung der Urheberschaft, was wir hiermit sehr gern tun. Annika Joeres schreibt:

[Correctiv hat] … 500 Orte ausgewählt, die besonders gut dokumentiert sind, und auf einer Weltkarte markiert. Die Karte ermöglicht nicht nur einen Blick in die Vergangenheit – sie sagt auch, wie sich die Pegel in Zukunft verändern werden. „Dort, wo das Meer stark angestiegen ist, wird es künftig weiter stark ansteigen“, sagt Anders Levermann, Klimafolgen-Forscher in Potsdam und New York. Levermann ist Hauptautor des letzten Weltklimaberichtes des internationalen Klimarates IPCC und hat damit die Weichen gestellt für einen wissenschaftlichen Konsens. Sich ändernde Strömungen könnten den Meeresspiegel lokal beeinflussen, fügt Levermann hinzu. Der globale Trend bleibe.

Kein Kontinent wird dem anschwellenden Wasser entkommen können. So ist das Meer heute im südfranzösischen Marseille 20 Zentimeter höher als vor 30 Jahren. Auf der Nordseeinsel Borkum sind es 18 Zentimeter – wo man 1980 noch trockenen Fußes stehen konnte, braucht man heute Gummistiefel. Die Top-Ten der am stärksten betroffenen Städte liegen vor allem in Asien. Die philippinische Hauptstadt Manila beispielsweise misst 40 Zentimeter höhere Pegel als vor 30 Jahren.

… Wie stark der Meeresspiegel steigt – das hängt davon ab, wieviel Eis an den Polen schmelzen wird. Die kalte Materie ist schwer berechenbar: Sie schmilzt schneller oder langsamer, je nachdem wieviel Luft eingeschlossen ist, wie dicht und alt das Eis ist.

Augenblicklich gehen die Forscher im Weltklimarat IPCC von einem globalen Anstieg des Meeresspiegels zwischen 20 und 80 Zentimetern bis zum Jahr 2100 aus.  … Zuletzt wurden die Prognosen stark nach oben korrigiert.

„Dass der Meeresspiegel in den kommenden Jahrhunderten noch schneller ansteigen wird, ist heute absoluter Konsens – und auch, dass dies an der menschengemachten Erwärmung liegt“, sagt Klimafolgen-Forscher Levermann. Wobei sich die Forscher uneins sind, wie sich die Eisschilde an den Polen verändern werden. „Sehr wahrscheinlich haben wir ihren Einfluss bisher unterschätzt.“ Laut Levermann könnten allein die Eisschilde Grönlands, sollten sie eines Tages komplett abschmelzen, die Meere um weltweit sieben Meter ansteigen lassen.

Der Mensch lebt seit jeher an den Küsten dieser Erde. Bis heute wachsen Städte am Wasser besonders schnell und ziehen doppelt so viele Menschen an wie das Landesinnere.

… Unsere Daten zeigen auch: Der Klimawandel trifft die Menschheit unterschiedlich hart. Das Meer steigt weltweit, aber Wind, Strömungen und Wellen beeinflussen den Pegel vor Ort. In einigen Regionen steigt der Meeresspiegel um zehn Millimeter im Jahr, dreimal schneller als im weltweiten Durchschnitt. Der liegt bei rund 3,4 Millimetern im Jahr.

Sicher ist nur: Je näher und tiefer gelegen Menschen am Meer wohnen, desto stärker werden sie unter dem Klimawandel leiden. Teile der Philippinen könnten untergehen, Inseln mit eigenen Sprachen und Kulturen versinken. Millionen Menschen in Bangladesch sind bedroht, einem der am niedrigsten liegenden Staaten der Erde. Überhaupt haben die Staaten des Südens häufig nicht genügend Ressourcen, um sich vor Stürmen und Hochwassern zu schützen. Afrikanische Länder investieren lieber in bald nutzbare Straßen und Krankenhäuser als in Deiche.

Die wohlhabenden Staaten sind besser gewappnet. Die verheerende Sturmflut an der europäischen Nordseeküste von 1953 hat dort beispielsweise zu besseren Schutzmaßnahmen geführt. Das zahlt sich bis heute aus. Aber auch europäische Bürgerinnen und Bürger werden ihre Wohnorte verlassen müssen. Genau wie Nordamerikaner: Der Sturm Sandy über New York hat auf tragische Weise gezeigt, wie wenig die USA getan haben, um ihre Küsten zu schützen.