In San Pedro

San Pedro hat uns die nötige Akklimatisierung verschafft, um weiter in das Projektgebiet nahe der liberianischen Grenze zu reisen. Das Klima ist für uns Mitteleuropäer eine Herausforderung, obwohl wir mit 28-30 °C am Ende der Regenzeit noch recht „gut bedient“ sind. Es schauert immer wieder heftig, in Begleitung von Gewittern oder einfach so.

In San Pedro haben wir Kontakt mit  unterschiedlichen Leuten, die direkt oder indirekt mit dem Meeresschildkröten-Projekt zu tun haben, z.B. den Künstler Koné, der mit einem unglaublichen Geschick Holz zu Skulpturen verarbeitet.
Auch Schildkröten hat er für das Projekt schon geschnitzt, aus deren Erlös wir die Strandbrigade von Pitiké unterstützen.
Assa haben wir ebenfalls kennengelernt, ein Ornithologie-Student aus Abidjan, der uns ins Projektgebiet begleiten wird.

In San Pedro schlemmen wir einheimische Speisen, die stark gewürzten Fisch oder Huhn mit Maniokreis – Attiaké – auf einem Teller – Chep – in Garküchen oberhalb des Strandes in offenen Holzhütten serviert werden. Sehr lecker!

Die Abfahrt nach Pitiké müssen wir um einen Tag verschieben, weil der Toyota Pickup eine neue Kardanwelle braucht. So haben wir noch Gelegenheit uns Schildkröteneier der Olivard Schildkröte anzuschauen, die von Meeresschildkröten-Schutz „angefixten“ Einheimischen von gefährdeten Gelegen in sicherere Strabdgefilden versetzt werden. Sie bekommen dafür ein wenig Geld vom einem deutschen Hotelbetreiber, der unser Schutzprojekt dadurch auch unterstützt. In seinem Hotel hatte Olaf vor einigen Jahren ein kleines Meeresschildkröten-Aufklärungsposter aufgehängt, das dort immer noch für Aufmerksamkeit sorgt.

Wir hoffen sehr bald selbst Schildkröten bei der Eiablage beobachten zu können. Aber noch ist es nicht soweit; Wir warten noch auf Alexandre, der uns am kommenden Tag mit dem Pickup abholt.

Westwärts nach San Pedro

Was sich so ein bisschen nach dem Titel eines Italo-Westerns oder einer lateinamerikanischen Abenteuergeschichte anhört, bezeichnet unsere Weiterfahrt per Kleinbus von Abidjan an den westlichen Teil der ivorischen Küste.

Der Cousin von Olaf, der bereits seit mehr als dreißig Jahren in dem Land lebt, hatte uns nicht nur mit einer Bleibe in seiner Wohnung den Einstieg nach Côte d’Ivoire erleichtert, sondern auch die Weiterfahrt nach San Pedro organisiert.

San Pedro ist eine Stadt im Westen von Côte d’Ivoire, die den zweitgrößten Hafen des Landes stellt. Von hier wird der Kakao – Côte d’Ivoire ist global der größte Kakaoproduzent – in die Welt verschifft; das sind fast zwei Millionen Tonnen. Der Kakao wird nicht in großen Plantagen kultiviert, sondern stammt von Kleinbauern, die ihre Ernte an Einkäufer verkaufen. Der Preis, den die Bauern pro Kilogramm Kakao bekommen, beträgt nicht einmal 1 Euro. Auf der Fahrt nach San Pedro sehen wir immer wieder Matten oder Planen, auf denen der Kakao gleichmäßig verteilt trocknet.

Tags zuvor haben wir uns mit Alexandre und José vom ivorischen Verein CEM in einer Bar in Abidjan getroffen, um noch einmal den Reise- und Arbeitsablauf durchzugehen. Bei dieser Gelegenheit haben wir Alexandre von den Protect-the-Ocean-Groschen bezahlte technische Ausrüstung übergeben: ein Notebook, ein GPS-Gerät, zwei Wildkameras. Wir verabredeten, uns Dienstag in San Pedro zu treffen und gemeinsam mit einem Ornithologie-Studenten in das Projektgebiet, das noch weiter im Westen liegt, weiterzureisen.

Wir fahren in einem großen Bogen erst nach Norden, dann westwärts, anschließend über Soubré südlich nach San Pedro. Die Küstenstraße ist nach der Regenzeit nicht wirklich fernreisetauglich, so dass wir einen Umweg von fast 200 km in Kauf nehmen. Aber auch die gewählte Strecke erweist sich – mit Ausnahme der ersten 120 km Autobahn – als echter Schlagloch-Slalom-Parcours.
Die Eindrücke von vorbeiziehender Landschaft und von den Menschen, die hier leben sind so vielfältig, dass wir bei unserer Ankunft in San Pedro nicht nur vom 500-km-Slalom körperlich erschöpft, sondern auch mental vorübergehend im Verarbeitungsmodus waren.

Mit standing ovations lobten wir die kunstvolle Weise, mit der uns der Fahrer nach San Pedro kutschierte und ergaben uns der grandiosen Meeres-Szenerie, zum Munde führend ein kühles Bier, auf dem Teller Zackenbarsch und Languste mit Maniok.