Wo wir in der Nahrungskette stehen (sollten)…

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„Der Mensch steht am Ende der Nahrungskette.“ Diesen Satz hat sicher jeder schon einmal gehört. Aber was bedeutet das eigentlich, und was hat unsere Position in der Nahrungskette mit der Nachhaltigkeit unserer Ernährung zu tun? Diesen Fragen möchte ich im Folgenden auf den Grund gehen.

Was ist eigentlich eine Nahrungskette? In der Natur gibt es Organismen, die aus Wasser, CO2 und ein paar anorganischen Verbindungen mithilfe des Sonnenlichtes Biomasse aufbauen. Diese Organismen bezeichnet man als „Primärproduzenten“. An Land sind das vor allem Pflanzen, im Meer vor allem Algen. Die Primärproduzenten werden wiederum von Tieren gefressen, den „Primärkonsumenten“. Die Primärkonsumenten werden schließlich meistens von größeren Tieren gefressen, die man als „Sekundärkonsumenten“ bezeichnet.

Eine einfache Nahrungskette an Land wäre z. B.:

Gras (Primärproduzent) – Zebra (Primärkonsument) – Löwe (Sekundärkonsument).

Löwen haben eigentlich keine natürlichen Feinde, stehen also am Ende der Nahrungskette. Manche Nahrungsketten bestehen auch nur aus zwei Stufen, beispielsweise Gras – Elefant. Wenn ich also als Mensch eine Karotte esse, nehme ich Position 2 in der Nahrungskette ein (Karotte-Mensch), wenn ich ein Steak esse, nehme ich Position 3 ein (Soja – Rind – Mensch). Die Position in der Nahrungskette hat dabei ziemlich viel mit Ressourcennutzung und damit auch mit einer nachhaltigen Nutzung unseres Planeten zu tun. Warum das so ist, möchte ich im Folgenden erklären:

Energieverlust in der Nahrungskette

Primärkonsumenten können Futter nicht 1:1 in eigene Körpermasse umsetzen. Ein Großteil der Energie, die im Futter steckt, wird während der Verdauung und für die Aufrechterhaltung lebenswichtiger Prozesse (z. B. die Aufrechterhaltung der Körpertemperatur) verbraucht und deshalb „verbrannt“, kann also nicht zum Biomasseaufbau genutzt werden. Deshalb geht beim Übergang von einer Stufe in der Nahrungskette zur nächsten immer Energie und damit Biomasse verloren (im Durchschnitt ungefähr 90 %). Das heißt, aus 100 kg Gras werden ungefähr 10 kg Zebra, und daraus wird wiederum ungefähr 1 kg Löwe.

Deshalb ist es immer effektiver, Lebensmittel von der ersten als von der zweiten Stufe der Nahrungskette zu produzieren. Stell Dir z. B. vor, Du würdest 1 Hektar Land besitzen: Es wäre viel effektiver, 8000 kg Weizen(1) darauf anzubauen und diesen direkt zu essen, als den Weizen an eine Kuh zu verfüttern, von der man am Ende nur ca. 800 kg Fleisch erhalten würde.

Der Zusammenhang mit der Fläche

Für die Produktion von Fleisch ist aufgrund dieses Zusammenhangs auch viel mehr Fläche nötig als für die Produktion von pflanzlichen Lebensmitteln, denn die benötigte Fläche für den Futteranbau muss noch zu der Fläche für die Haltung dazugerechnet werden. In Deutschland wird z. B. 58,2 % der landwirtschaftlichen Fläche für den Futteranbau genutzt, während nur 20,1 % der landwirtschaftlichen Fläche für die Produktion von pflanzlichen Lebensmitteln für den Direktverzehr verwendet wird(2).

Wir leben in einer Welt mit knappen Ressourcen, vor allem Landfläche ist knapp. Wenn wir unseren Planeten nachhaltig nutzen wollen, sollten wir deshalb immer im Auge behalten, an welcher Position in der Nahrungskette unser Essen steht.

Aber…

Natürlich ist die Geschichte nicht ganz so einfach, wie ich sie hier dargestellt habe. Zum Beispiel können wir als Menschen nicht jede Pflanze essen, u. a. können wir kein Gras verdauen. Die Kuh, die das Gras gefressen hat, können wir dagegen durchaus verdauen. In manchen Gegenden der Welt ist es auch zu kalt für die Produktion von Pflanzen, während Nutztiere noch sehr gut wachsen. Und natürlich gehören zum Thema ressourcenschonende Landnutzung auch noch viele andere Aspekte, z. B. die Industrialisierung von landwirtschaftlichen Prozessen generell, die Erzeugung von Energie, die mittlerweile auch aus pflanzlicher Biomasse gewonnen wird, usw. Trotzdem bleibt die Position unserer Nahrung in der Nahrungskette ein Aspekt, der die Nachhaltigkeit unserer Landflächennutzung grundlegend bestimmt.

An dieser Stelle möchte ich noch ein bisschen Werbung für Algen machen: Algen stehen, wie die Pflanzen an Land, auf der ersten Stufe der Nahrungskette, weshalb es per se schon nachhaltig ist, sie zu essen. Dazu kommt aber noch, dass sie im Meer angebaut werden und dadurch für ihre Produktion gar keine Landfläche nötig ist, was Algen zum vielleicht ressourcenschonendsten Lebensmittel überhaupt macht. In diesem Sinne guten Appetit. 🙂

Quellen:
(1) https://de.statista.com/statistik/daten/studie/28888/umfrage/hektarertrag-von-getreide-in-deutschland-seit-1960/
(2) https://www.landwirtschaft.de/landwirtschaft-verstehen/wie-arbeiten-foerster-und-pflanzenbauer/was-waechst-auf-deutschlands-feldern

Bildnachweis:
Titel: Photo by Avel Chuklanov on Unsplash
Maschinenernte: Foto von Mark Stebnicki von Pexels
Pflanzen: Photo by Markus Spiske on Unsplash

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Veröffentlicht von

Rafael Meichßner

Moin, mein Name ist Rafael Meichßner und ich arbeite als Meeresbiologe bei CRM (Coastal Research & Management), der Mutterfirma von oceanBASIS. Thematisch befasse ich mich vor allem mit dem Anbau von Algen und deren Nutzung. Hier im Blog schreibe ich aber auch zu anderen Themen, die mir auf dem Herzen liegen, z. B. Umweltschutz, Artenvielfalt und Ökologie.

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