Der Weg in die Gemeinwohlökonomie

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OceanBASIS und CRM sind seit 2019 Teil der Gemeinwohlökonomie (GWÖ). Das Ziel dabei: Wir wollen ein Wirtschaftssystem fördern, das auf gemeinwohl-fördernden Werten aufgebaut ist. Mensch und Umwelt stehen im Zentrum, nicht der Profit. Geld ist der Diener – niemals der Meister. In diesem Beitrag erzählt Anna, die bei uns für die Produktplanung verantwortlich ist, davon, wie sie die Diskussion rund ums Thema GWÖ in den letzten Wochen erlebt hat.

Um das Wirtschaften messbar, vergleichbar und transparent zu machen, wird eine sogenannte GWÖ-Bilanz aufgestellt. Hierfür werden im Vorfeld mit Hilfe eines Gemeinwohl-Berichts alle bisher unternommenen Anstrengungen des Unternehmens zusammengetragen und alle Berührungsgruppen des Unternehmens nach den Werten Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit sowie Transparenz und Mitentscheidung durchleuchtet. Daraus ergibt sich eine Punktematrix, die für Vergleichbarkeit sorgt und an der sich ein Unternehmen messen lassen muss.

Die Bewertungskriterien der Gemeinwohlökonomie

Die Gemeinwohlökonomie hat bei uns im Unternehmen einen tiefgreifenden Prozess angestoßen, bei dem auch das eigene Handeln unter die Lupe genommen wurde. Wir fragen deshalb unsere Mitarbeiterin Anna Sittko, wie sie diesen Prozess erlebt hat.

Bitte stell Dich doch kurz vor. Was für Aufgaben hast Du im Unternehmen?

Ich bin Anna Sittko und relativ frisch seit Anfang des Jahres bei oceanBASIS dabei. Meine Aufgabe ist dafür zu sorgen, dass unsere Oceanwell-Produkte stets ausreichend zur Verfügung stehen und niemand auf Meeres-Gel und Co. verzichten muss.

Derzeit finden bei oceanBASIS und CRM die Gemeinwohlökonomie-Workshops statt. Kannst Du uns kurz erzählen, welche Themen dort behandelt wurden und welche Eindrücke diese Workshops bei Dir hinterlassen haben?

Die Grafik (GWÖ-Matrix) illustriert die Breite der Themen eigentlich ganz gut: Im Prinzip geht es darum, alle Berührungsgruppen des Unternehmens (A-E) in Hinblick auf die vier Grundwerte (Menschenwürde, Solidarität & Gerechtigkeit, Ökologische Nachhaltigkeit, Transparenz & Mitentscheidung) zu durchleuchten. In den Workshops bekommt man eine Einführung, was genau mit den jeweiligen Berichtsfragen herausgefunden werden soll und wie diese konkret auf oceanBASIS und CRM angewendet werden können. Häufig ergeben sich schon währenddessen Rückfragen.

Während der Workshops fiel mir auf, wie im Hinterstübchen immer konkretere Fragen auftauchten, wie z. B. bei Teil A (Lieferant*innen): Wo kommen die Rohstoffe für unsere Produkte genau her? Wie werden sie hergestellt? Unter welchen Bedingungen? Wo beginnt überhaupt die Lieferkette?  Wie viel Transport ist dafür notwendig und wer hat wo welche Auswirkungen davon zu tragen, dass wir Oceanwell Produkte herstellen können? Man beginnt das bisherige Handeln zu hinterfragen und auch ein bisschen zu träumen, wie schön es wäre, wenn die Mehrheit im Sinne der GWÖ denken und handeln würde…

Es war für mich als Neuling im Team erstaunlich zu sehen, wie groß die Bereitschaft ist, sich mit dem eigenen Handeln bzw. den damit verbunden Auswirkungen auseinanderzusetzen.

Welche Berührungspunkte hattest Du mit dem Thema Gemeinwohlökonomie bisher?  War Dir das Thema schon bekannt?

Ich hatte den Begriff schon einmal gehört, kannte das Prinzip dahinter aber nicht genau. Mir war auch nicht klar, wie stark die Bewegung mittlerweile gewachsen ist. Unternehmer*innen setzen sich immer mehr damit auseinander, dass es kein unendliches Wirtschaftswachstum geben kann. Die Erkenntnis ist nicht neu, aber ich beobachte neugierig, wie ein konkretes Um-, Neu- und Weiterdenken stattfindet. Da brodelt eine ganze Menge.

Außerdem verfolge ich seit einiger Zeit die Entwicklung des Lieferkettengesetzes. Die Bemühung, diese zunehmend transparenter zu machen, um Missstände aufzuspüren und aufzulösen, ist im Grunde ein Teil der GWÖ-Bewegung.

Hat Dich ein Thema im GWÖ-Prozess besonders angesprochen oder hast Du Dich in ein Thema besonders eingebracht?

Da ich für Oceanwell die Produktionssteuerung übernommen habe, sprach mich das Thema Lieferkette ganz natürlich an.

Zusätzlich war ich an Teil C (Mitarbeitende) beteiligt. Es war höchst spannend zu sehen, welche Überlegungen, Fragen und Ideen bei den anschließenden Gruppentreffen zusammenkamen. Daraus entstand ein umfangreicher Fragebogen, den alle Mitarbeitende, egal ob Vollzeit- oder Minijob-Angestellte, beantworteten. So haben wir tatsächlich die Meinung aller Mitarbeitenden einbeziehen können. Die Ergebnisse daraus bilden die Grundlage für den Bericht, vor allem aber ein aktuelles Stimmungsbild, aus dem sich dann strategische Unternehmensentscheidungen ableiten lassen.

Die Lieferkette zu untersuchen ist sicher kein leichtes Unterfangen. Welche Maßnahmen wurden ergriffen, um die Lieferkette zu durchleuchten?

Die Lieferkette schien zu Anfang wie ein Fass ohne Boden: Es ist sehr mühsam den eigentlichen Ursprung zu finden. Wir haben ausgewertet, welche Unternehmen uns im Berichtszeitraum beliefert haben und die Hauptlieferanten direkt angeschrieben. Mittels Fragebogen baten wir dann um Mithilfe. Die Bereitschaft war fast ausnahmslos positiv, die Ergebnisse aber sehr unterschiedlich: Einige Lieferanten konnten uns bis zum Rohstoff selbst erklären, wo dieser herkommt und wer ihn fördert. Bei anderen ist es vorerst „nur“ bei der ersten Stufe geblieben. Das ist ein Ansporn für die Zukunft.

Hast du während der Workshops etwas Neues über oceanBASIS oder CRM gelernt?

Dadurch, dass ich noch nicht lange bei oceanBASIS bin, habe ich in kürzester Zeit sehr viel über das Unternehmen und seine Philosophie gelernt und einen guten Einblick in die Denkweise des Unternehmens erhalten. Die Workshops waren hierfür enorm hilfreich.

Neben den Themen Finanzen, Lieferkette, Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Verantwortung spielt in der Gemeinwohlökonomie auch die Mitbestimmung der Mitarbeiter eine große Rolle. Welchen Eindruck hast du von der Teilnahme und Mitbestimmung der Mitarbeiter bei oceanBASIS & CRM?

Mich beeindruckt, wie versucht wird, die Mitarbeitenden ins Boot zu holen. Jede/r hat ein Mitspracherecht und wird gehört. Passend dazu tauchte parallel ein weiteres Thema auf: das sogenannte „Systemische Konsensieren“. Eine Abstimmungs-Methode, bei der auch leise Widerstände hörbar werden. Diese Methode wurde den Mitarbeitenden vorgestellt und anhand einiger Beispiele direkt ausprobiert.

Der Mensch ist sowohl bei oceanBASIS als auch bei CRM sehr präsent und steht im Vordergrund des unternehmerischen Handelns. Ich freue mich zu erkennen, dass das hier nicht nur „heiße Luft“ ist, sondern tatsächlich gelebt wird.

 

Bildnachweis:
Titelfoto: Adrianna Calvo auf Pexels.com
Anna: privat

Weiterführende Links:
Oceanblog-Artikel: Geld ist der Diener, niemals der Meister.
zum Thema Lieferkette: Podcast-Interview mit AOT, einem der Rohstofflieferanten von oceanBASIS
Erklärungsvideo zur GWÖ: https://www.youtube.com/watch?v=cVFvyd7SmxU

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Veröffentlicht von

Timo Jensen

Timo Jensen

Moin, mein Name ist Timo Jensen und ich bin Rahmen meiner Promotion an der Uni Kiel als wissenschaftlicher Angestellter bei CRM tätig. Als Biotechnologe hat es mich schon immer fasziniert, dass die Natur so viele und oftmals passgenaue Werkzeuge für uns bereithält, die zur Lösung verschiedenster Probleme notwendig sind – sei es in der Umwelt, Kosmetik oder Medizin. Ich freue mich deshalb besonders darauf, bei CRM zur nachhaltigen Erschließung dieser Schätze beitragen zu können und werde im Oceanblog hin und wieder darüber berichten.

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